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Editorial

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Donnerstag, 1. Dezember 2011
diesseits Nr. 97 / 4 - 2011

diesseits Nr. 97 / 4 - 2011

Na, was essen Sie an Weihnachten? Gedünstete Auberginen an Sellerieparfait auf einem Bett vom Blattsalat? Oder doch die geschmorte Gans mit Kartoffeln und brauner Soße? Zugegeben, dazwischen gibt es noch eine gewisse Bandbreite an weiteren Möglichkeiten. Aber die Frage: "Wie hältst Du es mit dem Fleisch?" bewegt immer mehr Menschen, insbesondere solche, die nicht meinen, dass alles ihnen untertan sei.

In der Tat ist die industrielle Fleischproduktion, aus der die allermeisten unserer entsprechenden Leckereien stammen, bekanntlich wenig appetitanregend. Davon wollen wir am besten gar nichts wissen. Auch wir haben für dieses Heft mit Bildern künstlicher Tiere Distanz geschaffen. Und selbst bei schonend gehaltenen „glücklichen" Schlachttieren – wie viele Burger, Döner und Angus-Steaks würden wir essen, wenn wir die Tiere vorher selbst töten müssten? Welche Rechte wollen wir unseren Nutztieren überhaupt zubilligen – warum weniger als unseren Schoßhündchen und Schmusekatzen? Greenpeace hat dazu aufgerufen, mehr Wild zu verspeisen. Denn das lebe frei und artgerecht, und außerdem ist es regional. Ist das eine Lösung? Vielleicht gar selbst zur Flinte greifen?

Manche sagen, ein bewussterer Umgang mit Fleisch bei der Ernährung sei ein typischer Wohlstandsdiskurs der gehobenen Stände. Denn die höhere ethische Qualität muss man sich erst mal leisten können. So trägt die Frage nach Fleisch oder Gemüse überhaupt, und insbesondere welches und wie viel Fleisch, auf ihre Art auch zur Unterscheidung der Lebensstile nach dem Geldbeutel bei. Irgendwie ist eben alles ökonomisch – aber wirklich so einfach?

Viele offene Fragen. Ich wünsche Ihnen trotzdem oder gerade deshalb einen guten Appetit!

Ihr Michael Bauer