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Editorial

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Donnerstag, 1. September 2011

Liebe Lesende,

der Papst kommt. Soll er doch. Was geht uns das an? Das haben wir uns bei diesseits auch gefragt. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir uns dem „Großereignis" nicht entziehen wollen. Denn unsere Aufgabe ist es, aufzuklären – und wo gibt es dafür einen Bedarf, wenn nicht bei der katholischen Kirche?

diesseits - Nr. 96 / 3 - 2011

Daher nun also ein Papstbesuchs-diesseits. Wir sind uns allerdings nicht ganz einig geworden, wie wir den Staatsgast ankündigen wollen – als gefährlichen „Imperator der Gegenaufklärung", der manchen Spötter an den finsteren Imperator Palpatine aus Star Wars erinnert, oder lieber verzwergend als „König vom Katholiken-Kiez", denn größer als ein Straßenblock ist das römische Reich dieses absoluten Monarchen ja nicht. Das mögen nun also Sie entscheiden, liebe Lesende. Wir haben dieser Ausgabe einfach beide Cover mitgegeben.

diesseits - Nr. 96 / 3 - 2011

Wie weit die eigenen Toleranzgrenzen gegenüber der Glaubenswelt des Katholizismus auch immer gespannt sein mögen, eines macht den Heimaturlaub des Glaubenskämpfers Ratzinger zur öffentlichen Angelegenheit: Seine Ansprache vor dem Deutschen Bundestag muss jedem republikanisch gesonnenen Bürger sauer aufstoßen. Schließlich sind die Ansichten, die Benedikt XVI. vertritt, mit den Rechtsprinzipien des Grundgesetzes nur schwer zu vereinbaren. Als Staatsoberhaupt, mit dem sich ein Dialog politisch lohnt, dürfte er mangels Bedeutung wohl ausscheiden. Und zur Kanzel, welcher Religion auch immer, taugt unser Parlament gewiss nicht. Diese Ansprache ist – mit Verlaub – ein veritabler Skandal.

Doch was tun? Für den häuslichen Protest gegen religiösen Unfug lohnt sich die Lektüre der Seiten 22 bis 25 besonders. Wagen auch Sie einmal einen neuen Kopfputz! Schließlich muss es ja nicht immer eine Tiara sein.

Mit den besten Wünschen für einen schönen Herbst,

Ihr Michael Bauer