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Eine Bibel für Atheisten?

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Mittwoch, 1. Juni 2011

Rechtzeitig zum 400. Jubiläum der King James Bibel erscheint The Good Book. A Secular (USA: Humanist) Bible. Der Autor, A.C. Grayling, ist Philosoph und Professor an der London University und seit April Präsident der British Humanist Association.

The Good Book ist kein antireligiöses Buch, vielmehr geht es in ihm um die weltlich-philosophische Sicht westlicher und östlicher Antworten auf die Frage nach dem guten Leben. Es soll ohne dogmatischen Unfehlbarkeitsanspruch als Quelle von Inspiration oder Trost dienen, ein Buch zum Nachschlagen und Weiterdenken sein.

A. C. Grayling: The Good Book

A. C. Grayling: The Good Book

Grayling hat dafür 30 Jahre lang dieselben Techniken angewandt wie schon die Autoren der Christenbibel. Wie in der Bibel verzichtete auch er auf Quellenangaben – die Ideen sollen für sich stehen. Er bediente sich bei Werken von Aristoteles, Darwin, Epikur, Goethe, Hume, Kant, Konfuzius, Schopenhauer, Voltaire und vielen anderen.

Als sprachliches Vorbild dient Grayling ausdrücklich die für ihre zeitlos-literarischen Qualitäten gerühmte King-James-Übersetzung der Bibel, im Aufbau gleicht sein „Gutes Buch“ der „Guten Nachricht“. Knapp 600 Seiten stark, zweispaltiges Layout, unterteilt in Kapitel wie Freundschaft, Trauer, Weisheit. Nummerierte Verse sollen dem Leser ermöglichen, kurze Passagen zu lesen und über diese nachzudenken oder einzelne Verse als Zitat zu verwenden.

Einige Stimmen aus dem religiösen Spektrum sehen in der Veröffentlichung nun den Beleg dafür, dass Atheisten auch eine Heilige Schrift benötigen und der weltliche Humanismus nichts als eine weitere Religion sei. Ein Teil der säkularen Szene betrachtet Graylings Projekt daher sehr kritisch.

Graylings säkulare Version der Zehn Gebote klingt dann so: „Liebe wohl, siehe das Gute in allen Dingen, verletze nicht andere, denke selbst, übernimm Verantwortung, respektiere die Natur, tue dein Bestes, bilde dich, sei gütig, sei mutig: zumindest bemühe dich redlich.” Ob das säkulare Leser in Deutschland anspricht, ist zweifelhaft. Es ist zu erwarten, dass The Good Book allenfalls von den liberalen oder den weniger bis gar nicht Religiösen angenommen wird, die religiöse Texte bereits zur Inspiration nutzen oder sich bemühen, einen tieferen Sinn in den allgegenwärtigen Bibelsprüchen zu sehen.

A.C. Grayling: The Good Book – A Humanist Bible. Walker & Company 2011. 624 S., ca. 40 Euro.