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Nr. 99, 2/2012
diesseits Nr. 99 / 2 - 2012

diesseits Nr. 99 / 2 - 2012

Liebe Lesende,

die Januar-Ausgabe von diesseits zur Spiritualität hat viele von Ihnen bewegt. In Leserbriefen und Gesprächen haben wir eine so starke Resonanz bekommen wie noch nie zuvor. Egal ob Kritik oder Zustimmung – wir haben uns sehr über das Echo gefreut. Denn es zeigt uns, dass wir mit unserem Magazin Debatten anstoßen können. Und das ist es schließlich, was wir wollen: Bewegung in die Dinge bringen und den satten Stillstand stören. Gerade mit kontroversen Themen.

Titel: Humanismus und Sport
Wie sich der Deutsche Olympische Sportbund für christliche Werte einspannen lässt und warum den Säkularen ein sportlich bewegter Humanismus gut anstünde.
Deutsche Fussball-Nationalmannschaft EM 2012
Unveröffentlicht

Selbstverständlich ist Fußball Teil der humanistischen Kultur.

Schon immer interessierte mich die Ritual- und Fankultur des hierzulande allgegenwärtigen Mannschaftssports: Ein wichtiger Sieg ist eine Spitzennachricht wert; tausende Begeisterte putzen sich heraus, Männer und immer mehr auch Frauen, nahezu jeden Alters. Sie versammeln sich öffentlich in Stadien, vor Leinwänden oder in Kneipen, um einer ziemlich unnormalen, oft sehr zufälligen, deshalb sehr trainingsbedürftigen Körperbenutzung zuzuschauen. Es entscheidet, wie im wirklichen Leben, oft das Glück, wer triumphiert oder leidet. Wer sich für so etwas begeistert und hofft, dass wir England schlagen, benutzt, trotz mancher sozial bedingter Ausfälle, keine Flinte dazu. Man steht da in diesem Stadion und nebenan ein Holzfäller oder ein Ingenieur. Wo gibt es noch dieses Gefühl der (zeitlich endlichen, aber doch erlebten) Gleichheit, auch der Toleranz, verbunden mit dem Gefühl dazuzugehören. Oder, wie Martin Buber schrieb: Gemeinschaft ist, wo Gemeinschaft stattfindet.

Deutsche Fussball-Nationalmannschaft EM 2012
Unveröffentlicht

Ein Fußballfan will sich fühlen: seinen Körper und seine Macht. Dieser Wunsch spornt ihn zur Verschwendung seiner Aktivitäten an, zum Singen, Anfeuern, Trinken, Schmähen. Nur scheinbar eine Selbstaufgabe, sind sie Akte der totalen Verausgabung. Hingabe. Gemeinschaftsgefühle und Ergriffenheit sind nicht als Verlust, sondern als Gewinn einer neuen Erfahrungsdimension der eigenen Person zu fassen, von der man im Alltag nichts ahnt. In der Selbstbeschreibung der Fans ist ständig die Rede davon, dass sie alles geben, alles hinnehmen, dass sie während der ganzen Kampagne Opfer bringen. Aber damit ist nicht eine Entleerung der Person gemeint, sondern dadurch, dass sie ihr Bestes geben, errichtet sie Gebilde der Macht und der Ehrfurcht, von denen sie selbst wiederum aufs höchste inspiriert werden.

Humanismus Ja - Religion Nein
Warum der Säkularismus der bestmögliche und im Grunde der einzige zuverlässige Schutz für die Glaubens- und Religionsfreiheit ist!
Ariens, König, Sicking. Glaubensfragen in Europa

Die Herausgeber des Buchs zu Glaubensfragen in Europa sind der Meinung, „dass Religion als politischer Faktor zu lange ignoriert wurde". Ob das allerdings mit einer „Rückkehr der Religionen" zu tun hat, wie es viele Theologen propagieren, daran formuliert der Soziologe Detlef Pollack in seinem Artikel begründete Zweifel. In Westdeutschland z.B. ging die Zahl der wöchentlichen Gottesdienstbesucher von 1970 bis 2004 von 29 Prozent auf nur noch 12 Prozent zurück. In den meisten europäischen Ländern gibt es eine ähnliche Entwicklung.

Menschenmenge
Wissenschaftler diskutieren darüber, welche Rolle die Religionen in demografischer Hinsicht spielen. Es wird dabei deutlich, dass Humanisten der Frage, inwieweit religiöse Kulturen ihren Anhängern gerade in schwierigen Umständen einige Vorteile bieten, Aufmerksamkeit schenken sollten.
Evelin Frerk
Evelin Frerk, Fotografin und Initiatorin einer Online-Bildergalerie mit Gesichtern gegenwärtiger Humanisten, Atheisten und Agnostiker
Manfred Geier: Aufklärung
Der Germanist Manfred Geier legt mit seiner Geschichte der europäischen Aufklärung ein hellsichtiges Werk vor, mit dem er erklärt, warum die Europäer Kantianer im besten Sinne sind.