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Es ist eine entscheidende Zeit

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Vom 8. bis zum 10. August 2014 findet im britischen Oxford der 19. Kongress der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU) statt. Er stellt die größte regelmäßige Versammlung von nichtreligiösen Menschen weltweit dar und lockt mit mehr als 40 hochkarätigen und bekannten Referenten aus aller Welt.
Sonntag, 2. März 2014
Foto: © Evelin Frerk

„Ich kann es kaum erwarten, Wole Soyinka zu hören“. Foto: © Evelin Frerk

Getragen wird der diesjährige IHEU-Kongress von der British Humanist Association. Andrew Copson, Direktor des Verbandes, freut sich auf den inklusivsten Kongress seit Gründung der IHEU.

Herr Copson, welchem Zeitgeist sieht sich die diesjährige IHEU-Konferenz ausgesetzt: Feiern wir ein Zeitalter der Vernunft und Erfolge für Humanisten und nichtreligiöse Menschen oder haben wir dazu eher keinen Anlass?

Andrew Copson: In einigen Ländern beobachten wir laufende Fortschritte, bei denen sich liberale moralische Sichtweisen und humanistische Haltungen durchsetzen. Doch in vielen anderen Staaten gibt es auf diesem Weg noch enorme Hindernisse: autoritäre Regime, religiösen Fundamentalismus, Fanatismus, Vorurteile und Angst. Es ist schwierig zu sagen, was den globalen Zeitgeist ausmacht.

Was können wir vom internationalen Kongress in Oxford erwarten?

Gespräche, Podiumsdiskussionen, Tagungen und Vernetzung – drei Tage non-stop rund um das Thema Freiheit des Denkens und Redens. An einem Abend wird es außerdem einen privaten Empfang im Ashmolean Museum, in dem eine der schönsten Kunst- und Antikensammlungen der Welt zu sehen ist, sowie ein Gala-Dinner mit Gastrednern geben. Es wird anregend, unterhaltsam und lustig!

Das Thema des Kongresses heißt „Forging a 21st century enlightment“ und befasst sich mit der Frage, was Aufklärung im vor uns liegenden Jahrhundert braucht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Freiheit des Denkens und der Rede. Warum ist gerade das immer noch von besonderer Bedeutung?

Das Recht auf Gedanken- und Redefreiheit ist die Grundlage des Fortschritts und aller Aufklärung. Leider befinden sich immer noch viele Angehörige der menschlichen Familie unter der Gewalt von Regimen, die ihnen diese Rechte verweigern. Diese Menschen müssen verteidigt werden. Außerdem haben moderne Technologien neue Möglichkeiten und Gefahren für die Redefreiheit entstehen lassen: sowohl die Hyper-Vernetzung des Internet als auch eine aufdringliche staatliche Überwachung. Unsere heutige Welt verleiht dem Thema des Kongresses vitale Bedeutung.

Wie viele Teilnehmer werden zum diesjährigen IHEU-Kongress in Oxford erwartet?

Wir erwarten mehr als 700 Teilnehmer und wissen, dass Delegierte aus mindestens 42 Ländern anreisen werden. Wir sind auch sehr stolz darauf, dass wir mehr als 70.000 Pfund (rund 84.000 Euro, d. Red.) an Spenden einwerben konnten, um Delegierten aus ärmeren Ländern zu helfen, am Kongress teilzunehmen. So wird es hoffentlich der inklusivste Kongress, den es jemals gegeben hat.

Davon mal abgesehen – mit welchen Herausforderungen sehen sich die britischen Humanisten heute konfrontiert?

Es ist für uns eine entscheidende Zeit an allen möglichen Fronten. Derzeit setzen wir eine große neue Bildungsreform um, die humanistische Sprecher in die Schulen bringt. Wir arbeiten am Aufbau von Koalitionen mit religiösen Gruppen, um Säkularität in Bereichen wie dem der staatlichen Schulen zu sichern. Wir machen Fortschritte bei der rechtlichen Anerkennung humanistischer Hochzeiten und erweitern unsere Arbeitsfelder auf Bereiche, die ganz neu für uns sind: beispielsweise die Bereitstellung von humanistischer seelsorgerischer Unterstützung für nichtreligiöse Menschen in Gefängnissen und Krankenhäusern.

Wie gehen Sie damit um, dass nur ein kleiner Teil der nichtreligiösen Menschen an Verbänden wie der British Humanist Association interessiert ist?

Es trifft zu, dass nur ein kleiner Teil der Humanisten an der Mitgliedschaft in humanistischen Organisationen interessiert ist, doch das betrifft alle Bereiche. Wir müssen Menschen auch abseits der Ebene der Mitgliedschaft zum Engagement bewegen. Viele Menschen in Großbritannien, die keine Mitglieder sind, spenden für bestimmte Projekte wie etwa unsere Kampagne gegen öffentlich geförderte Bekenntnisschulen. Über eine halbe Million Menschen pro Jahr besuchen unsere Beerdigungen und Hochzeiten. Die Vertretung und Unterstützung von Humanisten bedeutet nicht, dass alle unsere Mitglieder sein müssen.

Zurück zum Kongress in Oxford: Worauf freuen Sie sich nun am meisten?

Ich kann es kaum erwarten, Wole Soyinka zu hören. Er ist der erste afrikanische Literaturnobelpreisträger und ich bewundere seine Arbeit schon seit Jahren. Und natürlich freue ich mich auf die Chance, so viele humanistische Freunde aus so vielen Ländern auf einmal zu sehen!