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Das skeptische Dream Team

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Vor knapp vier Jahren haben Alexa und Alexander Waschkau den erfolgreichen Podcast „Hoaxilla“ gegründet und bisher mehr als 140 Episoden produziert. Sie möchten zeigen, dass wissenschaftlich-kritisches Denken und mysteriöse Dinge auch ohne unkritischen Glauben viel Spaß machen können. Religion spielt dabei aber nur eine Nebenrolle.
Samstag, 1. März 2014

Ist euch das Gefühl wichtig, mit der Arbeit etwas zu bewirken oder geht es euch vor allem um Unterhaltung?

Alexander: Es geht um beides. Natürlich möchten wir unterhalten, denn sonst verlieren die Hörer ja auch mit Recht die Lust an Hoaxilla. Aber wenn wir dann auch noch Mails bekommen, in denen uns Hörer schildern, dass sie durch den Podcast aus der Esoterikszene herausgefunden haben oder Gleichgesinnte gefunden haben, dann ist das wirklich großartig und erfüllend.

Und woran kann es liegen, dass es Euch noch nicht im Radio oder im Fernsehen gibt?

Alexa: Auch wenn die Szene wächst, ist der Podcast als Medium immer noch eher Teil der Internetbubble. Den Sprung in die „alten Medien“ zu schaffen ist gar nicht so einfach.

Alexander: Und wir halten bei den meisten Themen, im Gegensatz zu Sendungen wie Galileo, kein Hintertürchen offen und sagen „vielleicht ist ja doch was dran“.

Sind Produktionen wie Hoaxilla eigentlich ein westliches Phänomen?

Alexander: Meinem Kenntnisstand nach, ist die Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlich-kritischen Denken eher ein Phänomen von Industrienationen, die einen gewissen Entwicklungsstand haben. Aber etwa auch in Indien gibt es Skeptiker und Australien hat mit dem „Token Skeptic“ einen eigenen sehr guten Podcast. Sicherlich muss aber eine Gesellschaft die grundsätzlichen Probleme von Ernährung, Gesundheit und Sozialstaat zumindest bis zu einem gewissen Grad gelöst haben, damit eine breitere Auseinandersetzung mit dem Thema Wissenschaft beginnen kann.

Wo rangiert Religion in Eurem Themenspektrum?

Alexander: Einige unserer Themen haben direkt oder indirekt mit Religion zu tun. Aber Religionskritik ist nicht der Hauptzweck unserer Sendung.

Alexa: Wie oben schon gesagt, ist Religion ein Gegenentwurf zu dem, was wir als Aufklärung betrachten, aber viel wichtiger als nur gegen Religion zu wettern ist es, dem Phänomen des „Glaubens“ statt Wissens auf den Grund zu gehen. Und das wiederum spielt im Prinzip ja bei allen unseren Themen eine Rolle.

Warum steht es nicht ganz oben auf der Themenagenda?

Alexa: Es gibt neben Religion auch viele andere Glaubenskonstrukte und esoterische Konzepte, die man behandeln kann und sollte.

Alexander: Religionskritik ist zwar wichtig, aber wir gehen bei der Themenauswahl wie gesagt auch oft nach Lust und Laune vor und da stehen dann eben andere Dinge weiter oben auf der Liste.

Verratet ihr, wie ihr es selbst damit haltet?

Alexa: Ich bin gottlos glücklich. Im Ernst, ich bezeichne mich als Atheistin und Humanistin. Ich finde es faszinierend zu beobachten, wie die Menschen langsam lernen, auch ohne metaphysische Krücken Gutes zu tun und nach gewissen Werten zu leben.

Alexander: Meine Abspaltung vom Glauben war ein eher langer Prozess. Hätte ich mich vor 20 Jahren noch als gläubiger Christ bezeichnet, bin ich heute Atheist.

Der Podcast im Netz: www.hoaxilla.de

Was der ausschlaggebende Grund für euch, aus der Kirche auszutreten?

Alexander: Glaube ist in meinen Augen eine höchstpersönliche Angelegenheit. Sicherlich ist mir die mangelnde Trennung von Staat und Kirche in Deutschland ein Dorn im Auge, auf der anderen Seite war dies nur ein kleiner Teil der Dinge, die mich zum Austritt aus der Kirche bewogen haben. Ich sehe keinen Sinn darin, auf ein Leben nach dem Tode zu bauen, auf das ich keinen Einfluss habe. Vielmehr sollte man im Hier und Jetzt ein Leben führen, dass von humanistischen Idealen geprägt ist. Sollte nach dem Tode noch etwas kommen, kann ich mich ja dann damit auseinandersetzen. Wichtig ist mir aber, dass man als Atheist den Glauben Anderer tolerieren sollte.

Alexa: Ich wollte die Konsequenz aus meiner persönlichen Entwicklung ziehen. Ich war schon einige Zeit Atheistin, bevor ich dann aus der Kirche ausgetreten bin.

Kirche bedeutet ja für viele Menschen nicht nur Wahrheit, sondern auch Gemeinschaft auf einer bestimmten Ebene. Habt ihr da einen Ersatz gesucht oder gefunden?

Alexa: Ich war noch nie der große Vereinsmensch. Aber Spaß beiseite, in gewisser Weise fühle ich mich im Austausch mit anderen Atheisten und Humanisten sehr wohl. Und auch bei den „Skeptikern“ natürlich. Wir sind ja auch Mitglieder der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, d. Red). Aber ich hab es wirklich nicht so mit festen Gemeinschaften, auch wenn ich sehr gern neue interessante Menschen treffe.

Alexander: Es liegt in der Natur des Menschen, sich gern mit Gleichgesinnten zu umgeben. Allerdings benötige ich keine formalisierte Gemeinschaft, um mich nicht verloren zu fühlen. Wir haben aber auch den Luxus durch den Podcast ein deutschlandweites Netzwerk von Menschen aus allen Schichten zu haben. Vielleicht sind wir deshalb auch nicht so repräsentativ.

Gibt es eigentlich auch Leute, die euch wegen eures Podcasts als Gegner sehen?

Alexander: Klar, die gibt es. Vor allem sind das vehemente Vertreter von Verschwörungstheorien und solche, die am Verkauf esoterischer Dienstleistungen und Produkte ein wirtschaftliches und/oder ideelles Interesse haben.

Alexa: Wir werden des Öfteren von solchen Leuten auf unserer Seite oder bei Facebook verbal angegriffen und „getrollt“, aber bisher haben wir den jeweiligen Kommentator irgendwann geblockt, wenn es uns zu bunt wurde und dann war es auch wieder gut.

Im vergangenen Mai habt ihr auch den Humanistentag in Hamburg besucht. Welche Eindrücke hat das bei euch hinterlassen?

Alexa: Das waren fast ausschließlich positive Eindrücke. Wir haben außergewöhnliche Menschen erlebt und gesprochen, von interessanten Projekten erfahren und es herrschte einfach eine tolle Stimmung.

Alexander: Stimmt, auf der anderen Seite war das Vortragsprogramm etwas zu dicht gedrängt, so dass oft nicht genug Zeit für Diskussion und Austausch blieb. Aber dafür war es natürlich auch hochkarätig besetzt.

Viele bekennende Atheisten und Humanisten behaupten traditionell von sich, nicht zu glauben oder an nichts zu glauben. Würdet ihr sagen, dass diese Einschätzung zutrifft?

Alexa: Naja, sie glauben dann schon in der Regel an das Gute im Menschen und an die Möglichkeit, unsere Zukunft positiv gestalten zu können.

Alexander: Ich versuche tatsächlich wenn möglich die Aussage „Ich glaube“ nur dann zu benutzen, wenn ich meine Aussagen nicht mit Fakten untermauern kann. Die Atheisten und Humanisten, die ich inzwischen kennengelernt habe, waren stets geprägt von einem starken moralischen Kompass, der allerdings ohne dogmatischen Überbau auskam.

Besitzt ihr als professionelle Skeptiker eigentlich so etwas wie eine Utopie?

Alexa: Eine Utopie ist ja letztlich nur ein Gedankenspiel. In diesem Sinne denkt man schon darüber nach, wie zum Beispiel eine Welt ohne Religion aussähe. Und dann fragt man sich, wäre das wirklich die beste aller Welten, also eine Utopie? Ich denke, wenn das der Endpunkt einer allmählichen Entwicklung ist, die Menschheit also die Religionsskrücke wegwirft, weil sie alleine laufen kann, dann ja. Natürlich wäre nichts Positives daran, den Menschen diese Krücke gewaltsam wegzunehmen, um in diesem Bild zu bleiben. Man kann höchstens helfen, ihnen das Laufen beizubringen. Volker Panzer zeigte sich im Interview zuversichtlich, dass der Niedergang alles Religiösen ins Haus steht. Seid ihr da auch so zuversichtlich?

Alexander: Zum Teil zumindest stimmen wir zu, da kann ich wohl für uns beide sprechen. Allerdings gibt es da eine solche Vielzahl an Entwicklungen zu berücksichtigen, dass es schwer ist, eine Prognose abzugeben. Was die katholische Kirche in Europa angeht, würden wir ganz klar sagen, ja, sie verliert an Macht. Auf der anderen Seite scheint der Run auf etwaige esoterisch-religiöse Konzepte nicht weniger zu werden und es gibt weltweit viele radikal-religiöse Gruppen unterschiedlichster Couleur. Wenn man sich mit solchen Tendenzen beschäftigt, hat man schnell das Gefühl, dass solche Fanatiker auf dem Vormarsch sind. Vielleicht ist das aber auch nur das letzte Aufbäumen der Religionen auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit.

Ihr glaubt auch, dass Religion irgendwann gar keine Rolle mehr für das Leben der Menschen spielen wird?

Alexander: Alexa hat vorhin das Bild von der „Religionskrücke“ benutzt, ganz sicher werden die Menschen sie irgendwann nicht mehr brauchen. Die Frage ist nur, wie lang dieser Prozess dauert. Vielleicht wäre es auch gar nicht so gut, wenn es zu schnell ginge. Die Menschen müssen ja auch erst mal soweit sein, ohne die Heilsversprechen der Religionen auskommen zu können.