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Das skeptische Dream Team

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Vor knapp vier Jahren haben Alexa und Alexander Waschkau den erfolgreichen Podcast „Hoaxilla“ gegründet und bisher mehr als 140 Episoden produziert. Sie möchten zeigen, dass wissenschaftlich-kritisches Denken und mysteriöse Dinge auch ohne unkritischen Glauben viel Spaß machen können. Religion spielt dabei aber nur eine Nebenrolle.
Samstag, 1. März 2014
Foto: © privat

„Hoaxilla“ geht seit Mai 2010 Verschwörungstheorien, Urban Legends und populären Mythen auf den Grund. Foto: © privat

Man kann euch als Berühmtheiten in der ziemlich lebendigen Podcast-Szene bezeichnen. Was sind das denn für Menschen, die vielen Hörerinnen und Hörer?

Alexa: Das sind vielseitig interessierte Menschen aus fast allen Berufs- und Altersgruppen. Vom Teenager bis zum Rentner ist da alles vertreten. Vielleicht sind auch Kinder unter unseren Hörern, nur ist für sie natürlich nicht jede Folge geeignet.

Alexander: Wir erleben immer wieder bei den Hörertreffen, die wir auf unseren Reisen wann immer möglich, veranstalten, was für tolle und interessante Geschichten von den Teilnehmenden erzählt werden. Es ist einfach wunderbar, sich dann auch mal kennenlernen zu können.

Und worin liegen die Vorteile des Podcasting? Ich denke zunächst daran, dass sich Podcasts nicht so einfach klauen lassen wie etwa Texte im Internet.

Alexander: Ein großer Vorteil ist das „zeitsouveräne Hören“. Sprich, man lädt sich Folgen runter und kann sie dann hören, wann und wo man möchte. Das mit dem „Klauen“ stimmt natürlich auch, aber wichtiger ist fast noch, dass der Podcast als Medium sowohl bei der Produktion, als auch beim Konsum recht einfach ist. Man kann schon mit einfachen Mitteln und einer guten Idee ein erfolgreiches Projekt starten.

Alexa: Und für uns ist ist es zusätzlich von Vorteil, dass wir unser eigener Herr sind und alles komplett so aufbereiten können, wie wir möchten.

Der Hoaxmaster ist Psychologe, die Hoaxmistress ist Ethnologin. Habt ihr hier eure Berufe mit einem Hobby verbunden?

Alexa: Hoaxilla ist ja eigentlich schon mehr als ein Hobby. Unsere Studienfächer sind wirklich eine ganz gute Basis für so einen Podcast. Wir haben dadurch gelernt, wie man sich neue Themen erarbeitet und Inhalte kurz und prägnant aufbereitet. Und der Auslöser für den Podcast war ja die Beschäftigung mit modernen Sagen, das ist natürlich ein genuin volkskundliches Thema.

Alexander: Als Psychologe steht stets der Mensch im Mittelpunkt meines Interesses. Das ist ja auch der Grund für mich gewesen, diese Profession zu erlernen. Im wissenschaftlich-kritischen Bereich fasziniert mich zum einen, warum Menschen ein parawissenschaftliches Weltbild, also ein Weltbild, das keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhält, bevorzugen. Und zum anderen finde ich all das, was mit Täuschungen unserer Wahrnehmung zu tun hat, spannend. Dazu gehören dann UFOs, Geister und Spukerscheinungen oder die Sichtung von Nessie. In den allermeisten Fällen haben Menschen, Phänomenen berichten, tatsächlich etwas gesehen, aber die falschen Schlüsse gezogen.

Bestreitet ihr mit den Podcasts Euren Lebensunterhalt? Verdient ihr Geld damit? 

Alexander: Vom Podcasten leben können wir nicht, obwohl durch Spenden schon jeden Monat eine kleine Summe zusammenkommt. Dadurch sind zumindest die Kosten des Projekts gedeckt. Aber ich hab natürlich noch einen regulären Dayjob in der Erwachsenenbildung.

Alexa: Ich habe mich letztes Jahr selbständig gemacht und erstelle für Privatpersonen Hörbücher aus biografischen Interviews. Das ist eine wirklich schöne und erfüllende Tätigkeit. Dazu kommen ja auch noch diverse Bücher, wie „Ghosthunting“ und „Muss man wissen“, die wir zusammen mit Sebastian Bartoschek geschrieben haben. Weitere Bücher sind schon in Planung.

Ein Podcast, ein Thema: gibt es eigentlich noch etwas, über das ihr noch nicht gesprochen habt in den vergangenen Jahren?

Alexander: Ja, jede Woche nehmen wir uns ein Thema vor und am Anfang haben wir auch befürchtet, dass uns die Themen schnell ausgehen werden. Aber die Liste wächst eher, als dass sie schrumpft.

Alexa: Wir bekommen mehrere Mails pro Woche mit Themenvorschlägen. Da sind oft Sachen dabei, von denen wir noch nie was gehört haben. Das ist natürlich besonders spannend.

Wie wählt ihr die Themen denn aus? Gibt es welche, die ihr aus bestimmten Gründen lieber nicht behandeln wollt?

Alexa: Die Themen, die uns Hörer schicken, versuchen wir in der Regel alle im Laufe der Zeit abzuarbeiten. Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch solche, an denen wir persönlich hängen und auf die wir Lust haben. Der Spaßfaktor spielt auf jeden Fall eine Rolle.

Alexander: Es gibt aber auch Dinge, die wir gern mal behandeln würden und die auch wichtig wären, die aber vermutlich schnell zu saftigen Klagen führen würden. Und zu Kosten, die wir uns nicht leisten können. Ich denke da zum Beispiel an Scientology.

Welche Episoden würdet ihr als echte Höhepunkte bezeichnen?

Alexa: Also wenn ich nach dem Spaß bei der Vorbereitung und der Aufnahme gehe, wär das für mich die Neuschwabenlandfolge. In dieser Episode haben wir die Verschwörungstheorie auseinandergenommen, die behauptet Adolf Hitler würde am Südpol eine geheime Basis der Reichsdeutschen haben und immer noch dort leben. Und was die ganzen Begleitumstände angeht, der Bericht vom Vampirkongress in Duisburg. Ich meine, das war die Nummer fünfzig.

Alexander: Oh, da gibt es sehr viele Episoden, die ganz großartig waren. So durften wir einen echten Professor für Weltraummedizin interviewen, von denen gibt es weltweit nur eine handvoll. Journalistisch gesehen war aber das Interview mit Dr. Axel Stoll sicherlich eine Nagelprobe für uns. Die Recherche für dieses Interview war sicherlich die aufwendigste, die wir je durchgeführt haben.

Stichwort Aufklärung. Glaubt ihr an die Aufklärung – und wenn ja, warum bemüht ihr euch persönlich darum?

Alexander: Naja, es gab die Aufklärung im 18. Jahrhundert, das ist wohl unbestritten. Und auch wenn man manchmal das gegenteilige Gefühl hat – wir leben natürlich heute in einer aufgeklärten Zeit. Trotzdem haben esoterische Konzepte enormen Zulauf und da wollen wir schon gegensteuern.

Alexa: An die Aufklärung zu glauben wäre ja auch fast ein Paradoxon. Aber im Ernst, wir möchten schon einen Beitrag zur Verbreitung des wissenschaftlich-kritischen Denkens leisten, also aufklären, wenn man so will. Alexander: Man kann entweder meckern oder was tun, und wir haben uns für Letzteres entschieden.

Wer oder was sind die drei größten Bedrohungen für die Aufklärung?

Alexa: Religion und die Angst vor Neuem und Fremdem.

Alexander: Und jede Form von Dogmatismus und Radikalismus. Auch die sogenannten Skeptiker sind manchmal nicht frei davon.