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Editorial

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Samstag, 1. März 2014
Foto: (c) Evelin Frerk

Liebe Lesende,

nur wenige Themen sind in der öffentlichen Debatte so umstritten wie die Frage nach dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen am Ende seines Lebens. Dabei ist die Meinung der Menschen in unserem Land eindeutig: Die große Mehrheit spricht sich entschieden für dieses Selbstbestimmungsrecht aus. Umso erstaunlicher, dass dieses klare Meinungsbild im Bundestag keine Entsprechung findet – oder auch wieder nicht, denn die Religion scheint in der deutschen Politik eine immer größere Rolle spielen zu können. Konfessionsfreie Abgeordnete sind jenseits der Fraktion der Linkspartei nur mit der Lupe zu finden. Auch alle Bundesminister haben diesmal ihren Amtseid bei Gott geschworen – das erste Mal wieder seit Adenauers Zeiten. Beim näheren Hinsehen zeigt sich außerdem, dass viele von ihnen den Kirchen auch sonst sehr verbunden sind: 6 der 15 Bundesminister sind zugleich hohe Kirchenfunktionäre. Wird es so kommen, dass christliche Politiker ihre privaten religiösen Glaubenswahrheiten zum Maß der Dinge für alle Bürger machen können? Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Durch neue Gesetzgebung soll der christlich motivierte „Lebensschutz“ über die selbstbestimmte Freiheit der Menschen gestellt werden. Justizminister Heiko Maas hält das für eine legitime „Gewissensentscheidung“ der Abgeordneten. Säkulare Organisationen haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen, um religiöse Bevormundung in dieser Frage zu verhindern. Wir halten Sie online unter diesseits.de auf dem Laufenden.

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Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre.

Ihr Michael Bauer