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Editorial

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Freitag, 1. März 2013
diesseits Nr. 102 / 1 - 2013

Liebe Lesende,

in diesem Jahr feiert der Humanistische Verband sein 20-jähriges Gründungsjubiläum. 1993 ging es darum, die alten Organisationen der Freigeister auf ein neues Gleis zu bringen. Die Verbindung von humanistischer Weltanschauung mit sozialer Praxis war die Idee, die für einen Aufbruch der Verbände sorgen sollte.

20 Jahre später fällt die Bilanz durchwachsen aus. Nicht überall ist es gelungen, das „HVD-Programm“ eines ebenso praktisch wie konzeptionell starken Humanismus zu verwirklichen. Doch viele haben sich aufgemacht. Der ersten humanistischen Kita 1994 in Nürnberg folgten schnell weitere, zunächst vor allem in Berlin. Von dort aus strahlt das Schulfach Humanistische Lebenskunde in andere Bundesländer aus. Die „Hauptstadt des Atheismus“ ermöglicht den Humanisten, zu zeigen, was in ihnen steckt. Doch auch im Westen, wo die politischen Rahmenbedingungen dafür oft schwierig sind, gibt es immer mehr Fortschritte.

Neue Landesverbände sind entstanden, und manche traditionsreichen Vereinigungen haben den Weg unter das Dach des HVD gefunden. Die Humanistischen Akademien leisten eine umfassende theoretische Arbeit und dokumentieren sie in einer inzwischen nach dutzenden Bänden zählenden Schriftenreihe. Humanisten leisten Bildungsarbeit, engagieren sich sozial, kümmern sich um Sterbende, beraten bei der Vorsorge und bei vielen Fragen des Lebens – lassen von der Wiege bis zur Bahre niemanden allein.

Es gibt inzwischen keinen Zweifel mehr: Die Verbindung von Praxis und Weltanschauung ist der Weg, der den Humanismus für die Menschen stark macht. Die Gründer des HVD haben die Weichen richtig gestellt. Aber das Brett, das es zu bohren gilt, ist nicht nur hart, es ist auch verdammt dick. Denn die Erfolgsmeldungen, die ich Ihnen eben untergejubelt habe, gelten in Wahrheit nur für wenige Leuchttürme. Bis das überall in der Republik so ist, wird noch mancher Bohrer heißlaufen. Doch wann, wenn nicht jetzt, und wer, wenn nicht wir: Machen Sie mit bei einem neuen Aufbruch zur Emanzipation der Religionsfreien! Übrigens waren es in der Mitte des 19. Jahrhunderts die freigeistigen Frauenvereine, die schon damals demokratische Kindergärten, freie Schulen und humanistische Krankendienste ins Leben riefen. Womit der Bogen zum Schwerpunktthema unseres Heftes geschlagen wäre.

Es grüßt Sie

Ihr Michael Bauer