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Nachgefragt bei… David Berger, Theologe und Philosoph

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Mit seinem Buch „Der heilige Schein“ legte Berger die doppelbödige Moral der katholischen Kirche offen. Er engagiert sich gegen reaktionäre katholische Kräfte, aktuell bei einer Kampagne gegen das Internetportal kreuz.net, in dem rechtsextreme, antisemitische und homophobe Hetze betrieben wird.
Samstag, 1. Dezember 2012
Foto: privat

David Berger. Foto: privat

Vor zwei Jahren haben Sie mit Ihrem Buch „Der heilige Schein“ für ein mittelschweres Erdbeben in der katholischen Kirche gesorgt. Wie begegnen Ihnen seither die ehemaligen Weggefährten?

Dr. David Berger: Das ist ganz unterschiedlich: Es gibt einige, wie z.B. Eduard von Habsburg-Lothringen, die sehr fair und menschlich freundlich auf das Buch reagiert haben. Andere zeigen offenen Hass und Ablehnung, schrecken teilweise auch vor Gewaltdrohungen nicht zurück. Die meisten haben sich radikal zurückgezogen und sagen: David Berger? Wer ist das denn?

Ihr neuestes Projekt ist die Koordination der Aktion STOPPT KREUZ.NET. Was steckt dahinter?

Anfang Oktober hat der Bruno Gmünder Verlag für Informationen, die zur Ergreifung der Hintermänner des Hassportals kreuz.net führen, eine Belohnung von 15.000 Euro ausgelobt. Inzwischen ist die Summe, mit der wir die Hintermänner zu finden versuchen, durch Spenden auf 23.000 Euro angewachsen. Grund für den Verlag war, dass man von der Homophobie gründlich die Nase voll hatte, die in Schmähartikeln über den kürzlich verstorbenen Dirk Bach einen neuen Höhepunkt erreichte. Hintergrund für diese Aufsehen erregende Aktion war sicher auch, dass der Verlag durch seine Medien seit mehr als einem Vierteljahrhundert eine wichtige Rolle in der schwulen Community spielt.

Warum ist es so schwer, den Machern das Handwerk zu legen?

Die Seite ist bereits 2004 mit kriminellen Absichten an den Start gegangen und hat sich technisch so gut abgesichert, dass es auf diesem Gebiet unglaublich schwierig ist, den Machern beizukommen. Ständige Serverumzüge, Hoster, die sich auf Kinderpornographie spezialisiert haben, und eine Software, die Internetdaten bewusst verschleiert, werden eingesetzt. Hinzukommt, dass die Redaktion sehr klein ist, was das Nachaußendringen von Interna erschwert.

Logo Stoppt Kreuz_Net

Aktuelle Informationen zum Stand der Ermittlungen, der enormen Presseresonanz und den Möglichkeiten, zum Aufdecken der Hintermänner von kreuz.net beizutragen, finden Sie auf der eigens angelegten Kampagnenseite des Bruno Gmünder Verlags. Unter nachfolgendem Link finden Sie einen aktuellen diesseits-Bericht zum Verschwinden der Seite aus dem Netz.

Wie eng arbeiten Sie mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen und wie muss man sich die Suche nach den Verantwortlichen vorstellen?

Unsere Rechtsanwältin, Sissy Kraus, hat sofort nach Ausschreibung der Belohnung den Kontakt zur Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft hergestellt. Am 6. November hat das erste Treffen mit dem zuständigen Staatsanwalt stattgefunden, dem wir erste Rechercheergebnisse vorlegten. Diese konnten zum einen auf dem technischen Weg erzielt werden, den Internetspezialisten gegangen sind. Das hat etwa dazu geführt, dass uns die gesamten Mailprotokolle von kreuz.net der letzten zwölf Monate vorliegen sowie Informationen zum Domainbesitzer. Der andere Weg ist der persönlich-inhaltliche. Bei uns haben sich auch Menschen aus dem persönlichen Umfeld der kreuz.net-Macher gemeldet und wichtige Informationen weitergegeben.

Haben Sie schon konkrete Hinweise auf die Hintermänner des Portals?

Ja. Und so viel kann ich schon sagen. Entgegen der bequemen Annahme der Deutschen Bischofskonferenz handelt es sich ganz offensichtlich wirklich um kirchliche Angestellte bzw. Diözesanpriester, besonders was die österreichische und Schweizer Redaktionsspitze betrifft. Aber auch ein Pfarrer aus der deutschen Führungsriege des Netzwerks Katholischer Priester, der besonderen Lieblingsgruppe des jetzigen Papstes, ist sehr wahrscheinlich mehr als nur ein Zuträger von Informationen [Inzwischen ist öffentlich bekannt, dass der Mühltaler Priester Hendrick Jolie an die als verfassungsfeindlich eingestufte Hassseite Texte geliefert hatte].

Während Sie selbst bei moderaten Katholiken als Nestbeschmutzer gelten, sind Sie für viele Säkulare ein Held. Hat das auch Ihren Blick auf die Kirche und Ihren Glauben beeinflusst?

Also Held ist jetzt sicher maßlos übertrieben, aber mich freut es natürlich, dass solche Gruppen den Dialog mit mir suchen. Mein Blick auf die Kirche als Institution hat sich schon viel früher verändert. Je näher ich diese im Vatikan, aber auch durch deutsche Geistliche kennenlernen durfte, umso mehr habe ich mich innerlich distanziert – um meinen Glauben nicht zu verlieren. Dadurch ist mein Glaube natürlich individueller geworden. Meine Spiritualität ist vor allem durch das staunende Wahrnehmen des absoluten, ewigen Seins bestimmt, das mich als vom zeitlichen Sein Geprägtem ins Dasein gerufen hat, und so meine Existenz zutiefst durchdringt.