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Editorial

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Samstag, 1. Dezember 2012
diesseits Nr. 101 / 4 - 2012

diesseits Nr. 101 / 4 - 2012

Liebe Lesende,

Sie haben bestimmt gleich gemerkt, dass sich der Untertitel des Hefts geändert hat. Aus dem „Magazin für weltlichen Humanismus" ist „Das humanistische Magazin" geworden. Warum? Weil in der Kürze die Würze liegt. Unser Humanismus steht für sich selbst, ist immer weltlich, was denn auch sonst. Entsprechend haben wir auch den Untertitel unseres Internetauftritts in „diesseits.de - Das humanistische Online-Magazin" geändert.

In unserer vorhergehenden Ausgabe haben wir über das kirchliche Arbeitsrecht berichtet. Inzwischen hat die Kampagne gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz (GerDiA) dazu eine ausführliche Studie vorgelegt. Sie enthält nicht etwa nur abstrakte rechtsgelehrte Darlegungen, sondern macht mit vielen Einzelfällen die alltägliche Diskriminierung der kirchlichen Arbeitgeber detailliert deutlich. Außerhalb des engsten Kreises der Kirchenführungen wird es kaum jemanden geben, der diese empörenden Einmischungen in die private Lebensführung von Mitarbeitern gutheißen kann. Dass ein Priester Mitglied seiner Kirche sein sollte, mag als Anspruch des Arbeitgebers noch angehen. Jenseits dessen wird's dann aber schon dünn – und reichlich verlogen. Kirchenmusiker, die sich nicht scheiden lassen dürfen, Erzieherinnen, die sich nicht zu ihrer Lebensgefährtin bekennen dürfen, Entwicklungshelfer, die die Schwangerschaft der Freundin verheimlichen müssen. Das sollen die „christlichen Werte" sein, die angeblich das Abendland ausmachen? Pfui Teufel!

Der Schwerpunkt dieses Heftes liegt in der Sorge um die Zukunft unserer Demokratie. Sind wir, das Volk, tatsächlich noch Herr in unserem Haus? Oder bestimmen über unsere Republik in Wahrheit Dunkelmänner, die mit angeblichen „Sachzwängen" jeden politischen Entscheidungswillen ersticken? „Alternativlos" ist bekanntlich das Lieblingswort unserer Kanzlerin, mit dem sie auch ihre eigene Rolle ad absurdum führt. Denn Politik muss mehr sein, als nur das zu erkennen, was anonyme Märkte fordern. Doch letztlich wissen die Menschen erstaunlich genau, was gut für sie ist – und was nicht. Deshalb habe ich noch immer Vertrauen in die Demokratie. Sie auch?

Es grüßt Sie mit den besten Wünschen für die Feiertage und das neue Jahr,

Ihr Michael Bauer