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Nr. 103, 2/2013
diesseits Nr. 103 / 2 - 2013

Liebe Lesende,

wie viele Hoffnungen waren mit dem „Arabischen Frühling“ verbunden! Hoffnungen auf mehr Freiheit und weniger Unterdrückung, auf offene Demokratie statt quälende Diktatur. Doch was ist daraus geworden?

Arabischer Frühling
Brauchen wir also nun einen neuen Begriff des Säkularen? Nein, denn das wäre zynisch gegenüber den Opfern der Mängel der Säkularisierung. Gleichzeitig sollten westliche Säkulare es bevorzugen, wenn sich in den arabischen Ländern unsäkulare, defekte Demokratien herausbilden, anstatt säkularer Diktaturen.
Foto: privat
Solange die liberalen und säkularen Stimmen um ihr Leben fürchten müssen, kann in der arabischen Welt keine echte Reformbewegung entstehen. Ahmad Mansour ist überzeugt, dass Reformversuche auf allein politischer Ebene nicht genügen. Er sagt, um die Gesellschaften wirklich zu verändern, muss es zunächst eine Revolution im Wohnzimmer geben.
Christenverfolgung 1
Obwohl es keine Hinweise auf eine besondere Bedrohungslage von Christen gibt, hält sich das Gerücht einer weltweiten "Christenverfolgung". Wir haben zahlreiche Statistiken gewälzt, Dokumente ausgewertet und mit Experten gesprochen, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Gefunden haben wir Hinweise auf eine wachsende Bedrohung der Glaubens- und Meinungsfreiheit von Menschen mit nichtkonformen Haltungen.
Christenverfolgung 2
Die Regionen, in denen die stärksten Beschränkungen der Religionsfreiheit bestehen, sind nicht-christlich. Die christliche Organisation „Open Doors“ deutet diesen Umstand um und sieht in diesen Staaten vor allem Christen der „Verfolgung“ ausgesetzt. Eine zweifelhafte Methodik, die dem Thema aber zu einem großen medialen Echo verholfen hat. Das Problem an den Zahlen: Es existiert kein Korrektiv.
Christenverfolgung 4
Grundlagendaten zur Erhebung der weltanschaulichen Verfolgung werden nicht gesammelt. Weder das UN-Flüchtlingshilfswerk noch die Internationale Organisation für Migration sammelt Angaben zur konfessionellen Bindung im Zusammenhang mit Flucht oder grenzüberschreitender Wanderung. Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sieht in dem Phänomen keine im Asylverfahren statistisch auswertbare Größe. Es gibt nur die ominösen Zahlen von „Open Doors“. Und eine Medienlandschaft, die nach dem Sensationsprinzip funktioniert.
Christenverfolgung 5
Hierzulande engagieren sich neben den Kirchen und anderen christlichen Organisationen vor allem zahlreiche Politiker der Unionsparteien, die mit dem Schüren des Mythos einer antiklerikalen Stimmung Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wollen. Diese Klientelpolitik könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass die grundlegenden Menschenrechte der tatsächlich Verfolgten unter die Räder geraten.
Harald Deschner
Im März 2013 ist er erschienen: der lang erwartete zehnte und letzte Band der seit 1986 bei Rowohlt verlegten „Kriminalgeschichte des Christentums“. Ihr Autor, Karlheinz Deschner, ist in freigeistig-humanistischen Kreisen wohlbekannt. Sein kirchenkritisches Erstlingswerk „Abermals krähte der Hahn“ erschien bereits 1962, die „Kriminalgeschichte“ wurde seit 1970 konzipiert.
Nida-Rümelin: Philosophie einer humanen Bildung
„Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Mit diesem konzisen Satz zerlegte der römische Philosoph und Staatsmann Seneca die lebensfremden römischen Philosophenschulen. Der ehemalige Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin tritt nun in Senecas Fußstapfen. Seine Kritik der deutschen Bildungsinstitutionen lautet in Anlehnung an den römischen Denker: „Nicht für das Leben, sondern für den Markt lernen wir.“
Alain de Botton:Religion für Atheisten
Mit Alain de Bottons „Religion für Atheisten“ und Gerhard Wimbergers „Glauben ohne Christentum“ sind zwei Bücher erschienen, die sich mit dem Sinn von religiösen Ritualen und Verhaltensweisen auseinandersetzen, dabei aber zu sehr verschiedenen Ergebnissen kommen.
Antoine de Rivarol: Vom Menschen
Man findet den Namen Antoine de Rivarol in keinem Werk der europäischen Aufklärung. Man muss anfangs über diesen Umstand rätseln, am Ende der Lektüre von Ulrich Kunzmann herausgegebener Sammlung der Gedanken, Maximen und Portraits des französischen Salonisten hat man aber eine Ahnung, warum das so ist.
Levent Mete: Das Alevitische Manifest

Mehr als 500.000 Aleviten leben in Deutschland, seit rund 25 Jahren organisieren sie sich in der Alevitischen Gemeinde Deutschlands (AABF). Heute zählen sie etwa 300.000 Mitglieder in 130 Ortsgemeinden, von den Medien werden sie als „Integrationsvorbilder“ gelobt.