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„Der Glaube an transzendente Kräfte ist unvereinbar mit der menschlichen Vernunft“

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Zur Person: Hans Albert

Albert ist einer der Hauptvertreter des Kritischen Rationalismus in Deutschland. In den 60er Jahren war er neben Karl Popper, Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas einer der zentralen Akteure im sogenannten „Positivismusstreit”. Sein Hauptwerk ist der 1968 erschienene „Traktat über kritische Vernunft”. Ihm liegt der Gedanke zugrunde, dass sicheres Wissen nicht möglich ist. Hans Albert ist Ehrenpräsident der Gesellschaft für kritische Philosophie in Nürnberg sowie Mitglied in den Beiräten der Giordano Bruno Stiftung und der Humanistischen Akademie Bayern. Für diesseits sprach Helmut Fink mit ihm.

Am 8. Februar 2011 ist Hans Albert 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat sich Helmut Fink für diesseits mit Hans Albert über die Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft, die Kritische Theorie und über das Verhältnis von Vernunft und Transzendenz unterhalten.
Mittwoch, 16. Februar 2011
Hans Albert, Copyright Evelin Frerk

Hans Albert, Copyright Evelin Frerk

Hans Albert, Sie sind 1921 geboren, können also auf 90 Lebensjahre zurückblicken. Wann in dieser ganzen Zeit war denn die beste Phase für Aufklärung und kritisches Denken?

Hans Albert: Das ist die Gegenwart, möchte ich sagen.

Das lässt uns hoffen. Ihre Biographie heißt „In Kontroversen verstrickt“. Was waren Ihre Lieblingskontroversen?

Nun, meine Lieblingskontroversen waren die mit Gadamer und der Positivismusstreit, also die Kontroverse mit Habermas und anderen.

Jürgen Habermas wird ja seit Jahren wieder verstärkt zitiert, z.B. zur Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft und zum Verhältnis religiöser und säkularer Sprache. Was kann man als kritischer Rationalist dazu sagen? Ist Habermas kritisch genug und ist er rational genug?

Nein. Man kann sogar sagen, dass er, der sich als Hermeneutiker äußern will, nicht in der Lage ist, die Position des Papstes zum Beispiel richtig zu verstehen. Er tut so, als wenn das, was in der Religion der wahre Kern ist, von einem Agnostiker – er versteht sich ja als Agnostiker – nicht verstanden werden kann und deshalb auch nicht beurteilt werden kann.

Als kritischer Rationalist würde man Wert darauf legen, dass die Position des Papstes verstanden werden kann?

Ja natürlich, denn sie ist ja nicht unverständlich. Wenn man die Schriften des Papstes liest, so kann man sie durchaus verstehen. Und weil man sie verstehen kann, kann man sie auch kritisieren.

→ Das komplette Interview finden Sie in der Druckausgabe der diesseits Nr. 94/2011.