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Wissen ohne Humanität kann nicht humanistisch sein

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Der Altphilologe und Religionshistoriker Hubert Cancik, Initiator und Mitherausgeber das Kompendiums Humanismus: Grundbegriffe, sieht den Aufbau einer deutschen Humanistik-Fakultät als dringende Aufgabe.
Freitag, 15. September 2017
Foto: © A. Platzek

Foto: © A. Platzek

Im Interview zum Kompendium bezeichnet er die Vorstellung, dass Erziehung, Bildung und Aufklärung und die Kultur der Persönlichkeit allein alle Fehlentwicklungen in Gesellschaft, Arbeit und Politik verhindern könnten, als eine Illusion. Humanistinnen und Humanisten, die auf solche Illusionen verzichteten, gäben damit aber nicht die Hoffnung auf Fortschritt und ein gutes, erfülltes Leben auf.

Dem von Ihnen mit herausgegebenen Band vorangestellt sind Verse von Joseph Justus Scaliger (1549-1609), in denen es u.a. heißt: „Man laß‘ ein Wörterbuch nur den Verdammten schreiben“. Wenn Sie an die Produktionsphase zurückdenken, woran erinnern Sie sich mit „Grauen“, woran mit Freude?

Hubert Cancik: Die Freude überwog und überwiegt bei weitem. Besonders intensiv waren die ersten Gespräche zur Konstitution einer dreifaltigen Ganzheit von Humanismus. Die Arbeit mit den jungen KollegInnen an den einzelnen Artikeln – „Humanistische Schreibstube“ – war immer anregend und meist fruchtbar und fröhlich. Das „Grauen“ war wie üblich und begrenzt: Termine, unzuverlässige AutorInnen, die Abbildungen. Das ist vergessen und verdrängt. Es bleibt die Erkenntnis von Mängeln und Lücken und die Einsicht in die Notwendigkeit, die „Grundbegriffe“ zu ergänzen, die Personenkunde auszubauen („Humanistische Porträts“), die Enzyklopädie des Humanismus vorzubereiten.

Wem legen Sie dieses Buch ans Herz und ans Gehirn? Wer sollte es lesen bzw. mit ihm arbeiten?

Die „Grundbegriffe“ sind ein kleines Nachschlagewerk für alle, die sich über „Humanismus heute“ klug machen wollen. Sie sollen besonders denen nützen, die in Schule und Hochschule die Ethik und Geschichte, Religionskunde bzw. Religionswissenschaft und Philosophie unterrichten; die die akademische Humanismus-Forschung betreiben; die in humanistischen Beratungsund Betreuungsdiensten tätig sind. Die Aufgabe war und ist aber doch, die Grundzüge des Humanismus „für alle“ in einfacher Sprache und anschaulich darzustellen als Teil der europäischen Kultur-Geschichte, als Theorie und Praxis, in Geschichte und Gegenwart.

diesseits Nr. 119, 2/2017

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