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Editorial

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Freitag, 15. September 2017
Foto: privat

Liebe Lesende,

vor einigen Tagen habe ich mit einer zukünftigen Kollegin darüber sinniert, ob Humanismus immer „links“ ist oder auch „rechts“ sein kann. Es gibt ja ab und zu die Rede vom Humanismus, ja vom HVD als „linkes Projekt“. Ist er das?

Ja, wenn man „links“ so versteht, wie die Paulskirchenlinke der 1848-Revolution. Republikanismus, Demokratie, Freiheit und Gleichheit – nicht umsonst war ihr Wortführer Robert Blum einer der einflussreichsten Freireligiösen seiner Zeit, und ebenso nicht umsonst hat ihn die rechte Monarchistensippschaft Österreichs ermorden lassen. Das ist lange her – aber sich an unsere Geschichte und Tradition zu erinnern, hilft.

Eher nein, wenn man „links“ auf ökonomischen Sozialismus und Parteipolitik verengt. Und ist ein Wertediskurs, der uns als Humanistinnen und Humanisten wichtig ist, vielleicht schon an sich eher etwas Konservatives? Klar: Das hängt von den Werten ab. Wenn diese Werte Freiheitlichkeit, Selbstbestimmung und – notfalls auch respektlose – Neugier betonen, dann nicht, im Gegenteil. Und wenn sie sich für die Menschen, für die Humanität einsetzen, dann erst recht nicht. Humanität geht bekanntlich nicht mit Einschränkungen – nach Religion, Herkunft, Hautfarbe, Reichtum oder was auch immer.

Nein, Humanismus ist nicht „rechts“. Er kann so gar nicht sein. Seine Gegner schon.
Soviel zur Bundestagswahl.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit unserer neuen diesseits und einen schönen Herbst!

Es grüßt Sie Ihr

Michael Bauer

diesseits Nr. 119, 2/2017

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