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Editorial

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Montag, 12. Juni 2017
Foto: privat

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Liebe Lesende,

als ich Ende Mai vom Evangelischen Kirchentag zurückfuhr, habe ich im Zug eine bekannte Hamburger Wochenzeitung gelesen. Von den Diskussionen, an denen ich in Berlin teilgenommen hatte, war ich noch etwas ausgelaugt. Da fiel mein müder Blick auf einen ganzseitigen Artikel über meinen bayerischen Branchenkollegen, den Landesbischof Bedford-Strohm. Staunend las ich den Lobgesang, der ihm von der Redaktion zugedacht worden war.

Ein wahrer Tausendsassa, der Herr Ratsvorsitzende. Klug und weltgewandt, immer freundlich zu jedermann, und – wer hätte das gedacht – er radelt jeden Tag bei seinem Amtsbruder Marx am Fenster vorbei, selbstverständlich mit Fahrradhelm. Ein Vorbild. Gemeinsam, so erfuhr ich weiter, haben die beiden Hirten auch in der Politik Großes erreicht: Es gibt wegen ihren Drängens endlich mehr Geld für die Asylsozialberatung. Toll! Ein gutes Werk für die armen Flüchtlinge! Doch halt: Wer macht denn diese Beratung? Das sind zum Löwenanteil Caritas und Diakonie (wozu man sich eh seinen Teil denken kann). Mit ihrer Lobbyarbeit haben die beiden Schelme also vor allem ihre eigene Bezuschussung verbessert? Kann das sein? Guter Journalismus hätte das Possenspiel durchschaut. Die Zeit aber verkauft es als das Werk zweier wahrhaftiger Gutmenschen, echte Brüder im segensreichen Geiste Christi und immer unterwegs, um anderen zu helfen. Da war ich dann wieder wach, mit leichtem Brechreiz ob so viel Schmierenkomödie in einem Blatt, das einst für seriösen Journalismus stand. Umso besser, dass Sie die diesseits lesen.

Es grüßt Sie

Ihr

Michael Bauer

diesseits Nr. 118, 1/2017

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