Direkt zum Inhalt
Unser neuer News- & Community-Service – Entdecke die Vielfalt!
view counter

„Wir sind eine Gemeinschaft, die etwas zu sagen hat“

DruckversionEinem Freund senden
Mit dem HumanistenTag 2017 lädt vom 15. bis zum 18. Juni nächsten Jahres das wohl größte humanistische Festival bundesweit zum Diskutieren, Tanzen, Staunen und Netzwerken ein. Michael Wladarsch, Geschäftsführer der Deutscher HumanistenTag gGmbH, sagt im Interview, warum aus seiner Sicht die Zeit für ein großes Fest für alle Menschen, die gerne selber denken ist, gekommen ist.
Donnerstag, 15. Dezember 2016
Foto: privat

Michawl Wladarsch

Kirchentage kennt jeder. Was will das Festival in Nürnberg sein?

Michael Wladarsch: Eine Alternative! Auf dem Humanistentag 2017 treffen sich Gleichgleichgesinnte und werden als Gruppe sichtbar. Wir sind eine Gemeinschaft, die etwas zu sagen hat. Allein in München, wo ich lebe, sind fast 60 Prozent der Bevölkerung konfessionsfrei. Die Kirchen verlieren immer mehr an Boden. Nun will das entstandene Vakuum natürlich gefüllt werden, denn die Frage nach Sinn in dieser Welt und der richtigen Art miteinander zu leben ist ein Urbedürfnis. Welche Moral befolgen diese Menschen, wie bewerten sie Weltereignisse? Als Humanisten möchten wir ihnen ein Angebot machen.

Das da wäre?

Sich dem Hier und Jetzt zu stellen. Zu versuchen, die kurze Zeit, die einem auf dieser Erde bleibt, so zu gestalten, dass sie offen und tolerant mit Raum für eigene Vorstellungen ist, ohne einen religiösen Überbau mit all seinen Vorschriften. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“. Wir sind kein Arzt, der eine Pille verschreibt und dann ist alles gut. Humanismus ist ein Weg, der eigener Anstrengung bedarf, aber der sich lohnt. Mit Diskussionen und Vorträgen wollen wir Menschen dazu ermutigen, diesen Weg zu beschreiten. Dass Humanismus Spaß macht, zeigen wir gerade auch Menschen, die nicht in humanistischen Organisationen aktiv sind, mit Musik-, Kabarett- und Gemeinschaftsveranstaltungen. Auf dem HumanistenTag 2017 geht die eigentliche Arbeit aber erst los. Auf dem Festival wollen wir nämlich auch Bedürfnisse herausarbeiten und Zukunftsstrategien entwickeln.

Bei „Humanismus“ denken viele Menschen an…

Ja, natürlich, manch einer denkt da an Altgriechisch im humanistischen Gymnasium und langweilige, in Hexametern abgefasste Gedichte. Humanismus ist aber modern und notwendig. Gerade für junge Menschen ist dieser Planet sehr klein geworden. Sie haben große, gemeinsame Ziele und suchen Halt im Leben. Traditionelle Organisationen mit ihren starren Verhaltensvorschriften sprechen sie jedoch immer weniger an.

Wo bleibt da die Moral? Anything goes also?

Keineswegs. Wir vertreten eine Ethik auf Basis der Menschenrechte und schätzen Vernunft und Wissenschaft. Aber wir sind nicht der Pfarrer auf der Kanzel, der die göttliche Wahrheit hinter sich hat, die nicht hinterfragt werden kann. Wir beziehen uns auf das, was wir vorfinden.

Woher kommt dann die Hoffnung auf das Gute? Wenn man sich die Welt anschaut, sieht man vor allem Herrschaft, Elend und Vernichtung.

Das stimmt. Die Kirchen haben das gleiche Problem. Sie delegieren aber ins Jenseits, während wir den Menschen in den Vordergrund stellen, dem im Diesseits geholfen werden muss. Natürlich kann ich jetzt keine Lösung für den Syrien-Konflikt anbieten, bin aber davon überzeugt, dass es mit mehr Humanismus leichter wäre, eine zu finden.

Die Fragen stellte Felix Balandat.

Bild

Mehr davon? 2017 lädt vom 15. bis 18. Juni ein großes humanistisches Festival in Nürnberg zur gemeinsamen Feier der Erfolge bzw. Errungenschaften und zum Weiterdenken auf dem Weg zum Jahrhundertwerk praktischer Humanismus in Deutschland ein: Der HumanistenTag 2017 wird in idealer Ort zum Diskutieren, Staunen, Tanzen und Netzwerken für Menschen, die gerne selber denken und gut feiern wollen. Unter den Referenten bzw. Künstlern, die bereits zusagt haben, sind u.a. der humanistischen Philosoph Julian Nida-Rümelin, der u.a. durch seine ZEIT-Kolumne bekannte Bundesrichter Thomas Fischer, „Science-Rapper“ Baba Brinkmann und die Jazz-Sängerin Lisa Bassenge. Alle Infos auf www.ht17.de