Direkt zum Inhalt

„Die Antwort auf Fanatismus liegt in einem vitalen Humanismus“

Druckversion
Vier Fragen an Julian Nida-Rümelin zu den Anschlägen von Nizza, Würzburg und München.
Samstag, 15. Oktober 2016
Foto: © Andreas Müller

Foto: © Andreas Müller Fotografie

Was verrät uns die Reaktion auf den jüngsten Einbruch terroristischer Gewalt über Zustand und Befindlichkeit westlicher Gesellschaften?

Julian Nida-Rümelin: Trotz des jüngsten Anstiegs terroristischer Gewalt in europäischen Ländern gilt nach wie vor, dass die überwältigende Mehrzahl der Terroropfer im Irak, in Syrien, in Afghanistan, auch in Pakistan und in afrikanischen Ländern zu beklagen ist. Auch in den 1970er Jahren kam es in Europa zu weit mehr terroristischen Anschlägen als heute. Das ist kein Grund sich zu beruhigen, aber doch ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Situation nicht grundstürzend neu oder gar weit dramatischer ist als in früheren Jahren und anderen Weltregionen. Die terroristische Bedrohung der 1970er Jahre war Ausdruck einer inneren Zerrissenheit der Gesellschaft und der Generationen. Auch wenn die individuellen Motive der RAF- oder Brigade Rosse-Terroristen durchaus Ähnlichkeiten aufweisen, wozu die Selbstüberhöhung durch Ideologisierung eigener Untaten gehört und der Zynismus im Umgang mit dem Leben von Unbeteiligten, wird die aktuelle Zunahme terroristischer Aktionen in den westlichen Gesellschaften als Ausdruck eines asymmetrischen Krieges interpretiert. Hier gleichen sich die medialen Reaktionen im Westen und die Stellungnahmen der IS-Propaganda in hohem Maße. Es handelt sich in dieser Wahrnehmung nicht lediglich um das grausame Verbrechen einzelner Täter, sondern um eine Bedrohung der westlichen Lebensform. Genau dies wird von den Hintermännern des Terrors beabsichtigt.

diesseits Nr. 116, 3/2016

Weiterlesen? Holen Sie sich jetzt die aktuelle Ausgabe – entweder als klassisches Printmagazin, im Appstore (Apple, Google Play) oder als PDF ganz bequem auf Ihrem Bildschirm: diesseits bietet Ihnen eine humanistische Perspektive auf Persönlichkeiten, Ereignisse und aktuelle Debatten.

Hier können Sie Ihr Exemplar direkt herunterladen.


Oder bestellen Sie unser Magazin im Abonnement und verpassen Sie zukünftig keine Ausgabe mehr.