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Religion – m(M)acht – Verfassung?

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Humanismus auf dem Katholikentag: Der Philosoph und Direktor der Humanistischen Akademie Deutschland Ralf Schöppner war am 26. Mai 2016 Podiumsgast im Rahmen des 100. Katholikentags in Leipzig. diesseits dokumentiert den Redebeitrag.
Montag, 8. August 2016

Der tschechische katholische Theologe Tomás Halík hat über die Gemeinsamkeiten von leidenschaftlichen Atheisten und leidenschaftlichen Christen geschrieben: Sie seien bewegt von existenziellen Sinnfragen und brennten für eine bessere Welt.1 Bei allen weltanschaulichen Differenzen mit Halík lässt sich festhalten: Hier ist eine potentielle Gemeinsamkeit formuliert, die Grundlage sein kann für den notwendigen Dialog der Weltanschauungen und Religionen.

Historische Beiträge des Humanismus zur offenen Gesellschaft

Ein Podiumstitel wie „Religion – m(M)acht – Verfassung“ suggeriert eine historische Unrichtigkeit: als hätten die Religionen die modernen Verfassungsstaaten hervorgebracht. Das aber ist historisch falsch. Der weltanschaulich neutrale, d.h. pluralistische Rechtsstaat ist vielmehr eine Konsequenz vergangener Religionskriege. Weil die Religionen sich bekämpft haben, deshalb entwickelte sich der moderne Rechtsstaat, der für alle Religionen und Weltanschauungen ein gemeinsamer Rahmen sein soll.

Bei Herodot, Thukydides, Platon, Aristoteles u.a. gibt es ein frühes politisches Nachdenken über Demokratie,  Gleichheit, Autonomie und verschiedene Formen des Lebens, einen transpersonalen Staatsbegriff ohne mythisch-sakrale Elemente; verdeutlichend, dass eben nicht alle politischen Begriffe der Neuzeit ursprünglich religiöse Begriffe waren. Marsilius von Padua und Thomas Morus sind frühe Rezipienten antiker Staatslehren in Europa: Bei ersterem finden wir die Trennung von geistiger und ziviler Gewalt, die eine Pluralität der Lebensformen ermöglicht; bei Morus die  „Religion der Utopienser“ als Religionsfreiheit und die Ablehnung des Gedankens homogener Kulturen, der sich aktuell in so manchem europäischen Land einer neuen expliziten Beliebtheit erfreut.

Nr. 115, 2/2016

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