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Demokratie und Humanismus brauchen wir wie die Luft zum Atmen

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Frank Stößel wurde für sein vielfältiges, bürgerschaftliches Engagement vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern am 4. Dezember 2015 mit der Goldenen Ehrennadel des Luise-Kiesselbach-Preises ausgezeichnet. Welche Haltungen und Gedanken stehen hinter diesem ausdauernden Einsatz? Für „diesseits“ gibt der Würzburger Humanist einen Einblick.
Freitag, 13. Mai 2016
Foto: privat

Seit meiner Kindheit bin ich Agnostiker. Die Beschäftigung mit der Geschichte der Evolution, der Aufklärung und des Humanismus bestärkten mich in meinem Leben darin, dass man auch ohne Gott gut leben kann und nicht ständig der Frage nachgehen muss, ob es ihn gibt oder nicht. Ich entschied mich schon als Jugendlicher dazu, ein Atheist zu sein, der aus seiner Veranlagung und Erziehung heraus gerne Gutes tut für andere und damit für sich selbst. Daher engagiere ich mich beruflich und ehrenamtlich seit über 44 Jahren in verantwortlicher Funktion für den praktischen Humanismus, auch wenn das in einer religiös geprägten Umgebung wie im bierbayerischen Weinfranken nicht immer so einfach ist.

Trotz meiner Tätigkeit als Landesvorsitzender des HVD Bayern wurde ich 1995 vom Freistaat Bayern zum Rektor einer öffentlichen Schule ernannt. Ich schätze den HVD als humanistisch orientierter Lehrer mit seinen Projekten in Bildung und Kultur sehr. Diese belegen, dass wir Humanistinnen und Humanisten nicht nur vom besseren Leben ohne Religion reden, sondern sichtbar und nachhaltig tätig sind für verantwortungsvolle Selbstbestimmung und für Gleichbehandlung auch jenen gegenüber, welche ihr Leben mit Gott und Religion gestalten möchten. Freies Denken und humanistisches Handeln sind und bleiben für mich zwei Seiten ein und derselben Medaille, deren Werte für die Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten unersetzbar sind.

Ich möchte dazu beitragen, dass alle Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, Sprache, Hautfarbe, Kultur, Religion oder Weltanschauung und ihrer sexuellen Orientierung, gleichermaßen in ihren Rechten respektiert werden. Daher wende ich mich schon immer gegen jegliche Art von religiösem und nichtreligiösem Dogmatismus. Das bedeutet für mich, dass ich als säkularer Humanist auch mit religiösen Menschen im Dialog bin, die sich, dialektisch betrachtet, zwar in mancher Hinsicht widersprüchlich verhalten, wovon allerdings auch ich in meiner anthropologisch bedingten Begrenztheit beim Staunen über das Leben vielleicht nicht immer ganz frei bin. Ich will damit zum Ausdruck bringen, wie wichtig mir als Humanist Toleranz und gegenseitiger Respekt vor dem Anderssein sind, da ich selbst ja Respekt gegenüber meinem Anderssein in einer mehrheitlich religiös geprägten Gesellschaft erwarte.

Und weil ich als „Homo politicus“ ein liberaler Sozialdemokrat bin, engagiere ich mich, und muss es leider mit Bedauern zugeben, als Dissident der alten Tante SPD im HVD in der Hoffnung, dass diese für uns Humanistinnen und Humanisten so wichtige Partei zur Vernunft zurückkehren und auch uns in Zukunft wieder zur Seite stehen wird, indem sie sich wieder ihrer säkularen Wurzeln besinnt: Denn die Demokratie brauchen wir wie die Luft zum Atmen, und den universalen Humanismus benötigen wir ebenso, damit wir uns in einer offenen Gesellschaft frei bewegen können.

Ich schätze es, wenn man mit mir über meine Aussagen ins Gespräch und so zu neuen Erkenntnissen kommt, besonders wenn das dazu führt, den tätigen Humanismus gemeinschaftlich und nachhaltig zu praktizieren, wie z.B. für den ehrenamtlichen Besuchsdienst VISITee des HVD Bayern. Nicht umsonst trage ich meinen zweiten Vornamen mit Vergnügen. Er hat in Norddeutschland, woher meine Eltern stammen, eine gewisse Tradition und symbolisiert Bodenhaftung, welche mir als Naturfreund sehr liegt.

Nr. 114, 1/2016

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