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„Evolution ist viel mehr als naturwissenschaftliche Evolution“

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Im Rahmen des „Evokids“-Kongresses 2015 war der Kabarettist, Autor und Moderator Vince Ebert zu Gast in Gießen. Im Interview verrät der Wahl-Frankfurter, warum er sich besonders für naturwissenschaftliche Bildung bei Kindern einsetzt.
Dienstag, 1. Dezember 2015
Foto: © Frank Eidel

Foto: © Frank Eidel

Kabarett lebt ja normalerweise von politischen Themen. Wie sind Sie dazu gekommen, Evolution zum Thema Ihres Programms zu machen?

Vince Ebert: Ich denke schon, dass das eine gesellschaftspolitische Relevanz hat. Ich bin immer wieder erstaunt, dass Naturwissenschaften bei vielen Leuten eigentlich nicht zur Bildung gehören. Doch wenn man sich überlegt, dass die großen Herausforderungen, wie Energieversorgung, Medizin oder Ernährung, im Kern naturwissenschaftliche Themen sind, wird man feststellen, dass man diese letztendlich nur mit naturwissenschaftlichem Wissen zu lösen kann. Insofern sehe ich mich jetzt nicht direkt als politischen Kabarettisten, aber ich versuche, den Naturwissenschaften eine gewisse gesellschaftspolitische Relevanz zu geben.

Welche Rückmeldungen bekamen Sie bisher von Evolutionskritikern? Finden auch Kreationisten Ihr Programm unterhaltsam?

Ouh! Die gibt es hier gar nicht so. Ich spreche zwar in meinem Programm über klassische Argumente von Evolutionsgegnern, Kreationisten und Intelligent Designern und diese versuche ich dann zu entkräften. Aber tatsächlich ist es mir noch nie passiert, dass wirklich jemand entrüstet zu mir gekommen ist. Wenn ich das Programm jetzt in Amerika im Mittleren Westen spielen würde, wäre das wahrscheinlich eher ein Thema. Allerdings sage ich in meiner Show auch, dass wir keinen dreifaltigen Gott brauchen, um unsterblich zu sein – die drei Hauptsätze der Thermodynamik reichen vollkommen aus. Da beschweren sich dann manchmal tiefgläubige Menschen, dass ich an dieser Stelle so blasphemisch bin. Ein paar Evolutionsgegner gibt es in Deutschland wahrscheinlich auch, aber ich glaube, die geben sich nicht die Blöße, das öffentlich zu sagen. (lacht)

Also schätzen Sie die allgemeine Akzeptanz der Evolutionstheorie in Deutschland als sehr hoch ein?

Ja. Ich glaube, das ist nicht das Thema, dass Evolution angezweifelt wird. Da gibt es andere Bereiche, in denen pseudowissenschaftliche Ansichten viel stärker geglaubt werden als Kreationismus und Intelligent Design.

diesseits | Nr. 113, 4/2015

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