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„Gleichgültigkeit ist fehl am Platz“

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Seit einigen Wochen ist Helmut Fink, Vizepräsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, auch im Beirat des Forums Offene Religionspolitik (FOR) tätig. In dem unabhängigen Forum engagieren sich Christen, Muslime und Humanisten für ein zeitgemäßes Verhältnis zwischen Staat und Religion.
Dienstag, 1. September 2015
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Herr Fink, was reizt Sie an der Tätigkeit als FOR-Beirat?

Helmut Fink: Das sind vor allem zwei Dinge: Zum einen freue ich mich darauf, meine Kenntnis der säkularen Verbändelandschaft und ihrer – nicht immer ganz gleichlautenden – Interessen in ein neues Umfeld einzubringen, das weltanschaulich recht bunt ist. Es ist wichtig, dass dort, wo religionspolitische Fragen verhandelt werden, auch eine säkulare Stimme zu Wort kommt. Der Gründer des Forums, Sven Speer, hat das von Anfang an verstanden. Im Forum herrscht ein liberaler Geist, der Türen öffnet. Und zum zweiten freue ich mich auf Einblicke in die religionspolitischen Interessen der im Forum vertretenen Glaubensgemeinschaften. Da gibt es sicherlich strukturelle Analogien zu säkularen und humanistischen Anliegen.

Welche drängendsten Defizite sehen Sie aktuell bei den Debatten über das Verhältnis zwischen Staat und Religionen?

Ich sehe vor allem das Defizit, dass die Breite der Gesellschaft an diesen Debatten kaum teilnimmt. Auch die großen Parteien erwecken bei mir nicht unbedingt den Eindruck, dass sie an der religionspolitischen Willensbildung der Bevölkerung angemessen mitwirken. Allzu oft sind zwar die 4 Prozent Muslime im Fokus der Aufmerksamkeit, aber die 40 Prozent säkular denkenden Mitbürger werden gar nicht beachtet. Wie soll es weitergehen mit der staatlichen Kirchenfinanzierung und dem Kirchensteuereinzug, welche wertebildenden Schulfächer sind zukunftsfähig? Da könnte man doch auf die Idee kommen, dass ein weltlicher Humanismus besser zur Kultur der europäischen Aufklärung passt als alle Offenbarungsreligionen zusammen. Dann müsste allerdings die Konsequenz gezogen werden: gleicher Abstand des Staates zu religiösen und nichtreligiösen Organisationen und eine öffentliche Debatte auf Augenhöhe.

diesseits 3/2015

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