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Wer sind wir – und wenn ja, wie viele?

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Neue Rekordzahlen bei den Kirchenaustritten wurden in den vergangenen Wochen vermeldet. Während einige Atheisten im Internet frohlocken, den Untergang „der Kirche“ noch zu Lebzeiten feststellen zu können, lohnt sich für Humanisten wieder mal ein genauerer Blick auf die weiter wachsende Gruppe der Konfessionsfreien.
Montag, 31. August 2015
Foto: Fotimmz / Fotolia.com

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Wenn es ums eigene Geld geht, nehmen viele Bundesbürger es mit dem Glauben offenbar ernst, jedenfalls dem Glauben an den Nutzen einer Kirchenmitgliedschaft. „Dass 2014 fast 218.000 Katholiken ihre Kirche verließen – und es bei den langsamer zählenden Protestanten mindestens genauso viele gewesen sein dürften –, liegt eindeutig am geänderten Einzugsverfahren beim Kirchensteueranteil der Kapitalertragssteuer. Plötzlich, durch Briefe oder Anrufe ihrer Bank, merkten die Leute, dass sie von den Gewinnen ihrer Geldanlagen den Kirchen etwas abgeben sollen“, kommentierte dazu WELT-Politikredakteur Matthias Kamann. 

Dass ausgerechnet das vollautomatisierte Kirchensteuereinzugsverfahren unter Beihilfe von Finanzämtern und Kreditinstituten zu dieser neuerlichen Austrittswelle geführt hatte, könnte man als ironische Wendung sehen. Denn säkulare Verbände fordern seit langem, die Erhebung ihrer Mitgliedsbeiträge vollständig in die Verantwortung der christlichen Religionsgemeinschaften zu geben. Und mittlerweile findet diese Forderung auch in der Bevölkerung breiten Rückhalt. Wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov herausgefunden hat, wird der staatliche Kirchensteuereinzug nur noch von 16 Prozent der Bevölkerung befürwortet. Aktuell scheint es nun so zu sein, dass das System des staatlichen Kirchensteuereinzugs die beiden großen Kirchen abschafft. Tatsache ist allerdings: Der Staat lässt sich seine Leistung zwar mit vier Prozent des eingesammelten Betrages belohnen. In Wirklichkeit ist die Amtshilfe bei der bundesweiten Kollekte jedoch unbezahlbar. Das hat auch die Reaktion auf das geänderte Einzugsverfahren aus dem vergangenen Jahr angedeutet. Denn wie sähe wohl die Finanzlage ohne das herrschende Kirchensteuermodell aus?

Was glauben Konfessionsfreie?

Jedenfalls ist die Zahl der Konfessionsfreien in Deutschland also 2014 wieder kräftig gewachsen. Dies bietet auch einen Anlass, sich ausführlicher mit der Frage zu beschäftigen: Wer sind die Konfessionsfreien – und woran glauben sie, außer daran, dass sie für eine Kirchenmitgliedschaft kein Geld ausgeben wollen?

diesseits 3/2015

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