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„Diese Wirtschaft tötet!“

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Der Papst als Stichwortgeber einer selbstkritischen Humanismus-Debatte? – eine Philippika
Montag, 1. Juni 2015
Foto: © Kevin McElvaney / derkevin.com

© Kevin McElvaney / derkevin.com

Foto: Adjoa (9) auf der Elektromüllhalde Agbogbloshie in Accra, Ghana. Hier leben tausende Einheimische davon, illegal aus Europa exportierten Elektroschrott zu verwerten. Unter anderem schmelzen sie dafür mittels einfachster Methoden Edelmetalle aus den Geräten und Elektrokabeln. Das etwa 1.600 Hektar große Gebiet ist heute einer der am schlimmsten verseuchten Orte der Welt. Adjoa trägt auf dem Kopf eine Schüssel mit kleinen Beuteln gefrorenen Wassers, das die Arbeiter zur Erfrischung oder zum Löschen kleinerer Feuer verwenden – denn wenn das Feuer zulange brennt, verliert das Kupfer an Gewicht.

Dass ich einmal ein Papst-Zitat als „Aufhänger“ für einen diesseits-Beitrag verwenden würde, und zwar nicht mit der Absicht, es kritisch zu „zerlegen“, hätte ich mir bis zu Franziskus‘ Evangelii gaudium auch nicht träumen lassen. Natürlich hat Herr Bergoglio für seine kapitalismuskritischen Thesen auch ordentlich Prügel einstecken müssen, wurde vornehmlich von Seiten der Wirtschaft und aus konservativen Kreisen des „reinen Marxismus“ bezichtigt, aber er hat auch sehr viel Zustimmung aus den unterschiedlichsten Lagern erhalten. Diese Zustimmung bezog (und bezieht) sich vornehmlich auf die scharfe, unmissverständliche Kritik an skrupellosen, ausschließlich auf die Profitoptimierung fixierten Konzernen, korrupten Banken und generell einer globalisierten und hemmungslos brutalisierten Spielart des Kapitalismus, in dem das Geld der letzte Zweck ist, nicht das Mittel, das Geld herrscht, nicht „dient“, wie es nach der Auffassung Bergoglios sein sollte.

Ich halte diese Kritik – ungeachtet des sicher nicht unwesentlichen Aspekts, dass der Vatikan selbst Teil des kritisierten „Systems“ ist – ebenfalls für weitgehend berechtigt, möchte mich aber in diesem Beitrag bewusst auf einen anderen Systemfaktor konzentrieren: uns.

diesseits 2/2015

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