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Im Auge des Sturms

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Niedrig- bis Negativzinsen lassen sogar Realitätsverweigerer spüren: das herrschende ökonomische System befindet sich einer tiefgreifenden Krise. Doch diese Krise der „kannibalischen Weltordnung“ fordert nicht nur stetig mehr Opfer in anderen Erdteilen. Sie stellt auch für Humanistinnen und Humanisten in Deutschland eine konkrete Gefahr dar.
Montag, 1. Juni 2015
© Hans Böckler Stiftung

© Hans Böckler Stiftung

Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik. Die Sentenz des deutschen Philosophen, Ökonomen und Autoren Karl Marx vom Jahreswechsel 1843/1844 hat sich wie nur wenig andere seiner Äußerungen in unser kollektives Gedächtnis eingeprägt. Und in den Jahren nach dem 11. September 2001 war die Kritik an Religionen wieder en vogue geworden. Religionen, jedenfalls das Christentum und der Islam, seien in der Gesamtschau eher schädlich als nützlich, meinten zunehmend mehr Stimmen. Nicht nur unwahr und trügerisch wäre die Gesamtheit der religiösen Glaubenssätze und Mythen, sondern sogar gefährlich.

Leicht widerlegen lassen sich solche Einschätzungen nicht. Zeigen doch gerade wissenschaftlich fundierte Vergleiche zur Lage der Menschen- und Bürgerrechte oder Analysen wie die des Global Peace Index, dass die Verbreitung von Religion unmittelbar in einem Zusammenhang mit der Friedlichkeit, Sicherheit und Freiheitlichkeit von Gesellschaften steht. Je stärker religiöse Überzeugungen verbreitet und je stärker religiöse Mächte institutionalisiert sind, desto schlechter ist es um die Situation für die Mehrheit der Menschen bestellt. Je säkularer eine Gesellschaft ist, desto fortschrittlicher wird sie. Vorausgesetzt allerdings, fügen sie hinzu, dass für viele Bürger ein gewisser Wohlstand, Rechtsstaatlichkeit und soziale Absicherung vorhanden sind. Und die Grundlage für solchen Wohlstand in einer freiheitlichen Gesellschaft bildet die freie Marktwirtschaft, die vom mehr oder weniger strengen Auge des Staates im Blick behalten wird. So glauben viele. Unser System ist also gut, oder?

diesseits 2/2015

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