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„Wir brauchen dringend eine Wertedebatte“

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Die österreichische Soziologe und Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide plädiert angesichts der komplexen Konflikte in den westlichen und den arabischen Gesellschaften für eine humanistische Revolution.
Sonntag, 1. März 2015
Foto: © picture alliance / dpa / Caroline Seidel

Foto: © picture alliance / dpa / Caroline Seidel

Herr Professor Khorchide, der Terroranschlag am 7. Januar 2015 auf Redaktion von Charlie Hebdo in Paris hat Menschen in ganz Europa schockiert. Was waren Ihre ersten Gedanken, nachdem Sie von dem Ereignis gehört hatten?

Mouhanad Khorchide: Als Muslim ist man äußerst entsetzt, wenn man hört, dass im Namen der eigenen Religion Terror verübt wird. Zuzusehen, wie die eigene Religion derartig missbraucht wird, ist nicht einfach. Ich sehe es als große Verantwortung an, einen Beitrag zu leisten, um der Öffentlichkeit ein differenziertes Bild vom Islam zu unterbreiten. Denn die Mehrheit der Muslime sind friedliche Menschen, die selbst von diesem Terror betroffen sind. Die Extremisten dürfen unsere Gesellschaft nicht spalten. Die Grenzen verlaufen keineswegs zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, sondern zwischen friedlich lebenden Menschen und Extremisten. Ich konnte nur einen Teil der Interviewanfragen der letzten Tage annehmen, denn ich muss auch an der Uni unterrichten. Aber immerhin es waren um die 40 Interviews.

Wie wurde das Ereignis bei Ihren Studierenden aufgenommen?

Sie sind genauso entsetzt und fühlen sich als angehende Multiplikatoren in den Schulen und Moscheegemeinden verantwortlich, gerade die jungen Menschen über ihre Religion aufzuklären. Im Unterricht thematisieren wir das Thema Gewalt im Namen des Islam, denn es geht auch darum, wie man mit den Argumenten der Extremisten umgeht.

In Interviews nach dem Attentat haben Sie immer wieder gesagt, dass Sie nichts von der Aussage halten: Islam und Islamismus haben nichts miteinander zu tun. Was sehen Sie als Faktoren, die junge Muslime zu Taten wie den Morden in der Charlie Hebdo-Redaktion motivieren, oder auch dazu, sich dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen?

Es gibt psychologische, soziale und auch politische Gründe dafür, dass vor allem junge Menschen sich davon angezogen fühlen: Wenn sie keinen Schulabschluss haben, keine Arbeit finden, sozial nicht anerkannt sind und keine Perspektive im Leben sehen, dann ist eine Ideologie natürlich verlockend, die erklärt: Du musst kein Verlierer sein. Die Botschaft dahinter lautet: Mit deinem Glauben bist Du ein Gewinner, denn Gott wird alle anderen in die Hölle verdammen. Die Drohung mit der Hölle und der restriktive Gott sind für diese Thesen überaus wichtig. Extremistische Ideologien greifen selektiv auf theologische Positionen zurück, die Gewalt im Namen der Religion legitimieren.

Doch liegt das Problem nicht nur in der Theologie. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese jungen Menschen aufzufangen – etwa über die Bildung und über den Arbeitsmarkt, aber vor allem über das Vermitteln eines großen „Wir“ zu dem auch die Muslime selbstverständlich gehören. Hinzu kommt die politische Dimension: Wenn man genau auf die Argumente hört, mit denen vor allem junge Menschen für die extremistischen Milieus rekrutiert werden, lautet die Botschaft: Der Westen exportiert keine demokratischen Werte, sondern Waffen und Krieg. Als Beispiel wird immer wieder der Nahe Osten genannt, wo Amerika und Europa beispielsweise Waffen an Israel lieferten, oder die USA in den Irak einmarschiert seien mit der Lüge, dort gebe es Massenvernichtungswaffen. Damit legitimieren extremistische Gruppierungen Gewalt gegen amerikanische und europäische Institutionen. Es gilt, diese Argumente ernst zu nehmen und sich offen und mutig mit ihnen auseinanderzusetzen.

Anders als in Deutschland gibt es in Frankreich einen strikten Laizismus. Trägt dieser möglicherweise einen Anteil an einer so extremen Radikalisierung von Gläubigen?

Durch den Laizismus in Frankreich gibt es keinen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Das heißt, junge Menschen haben keinen reflektierten Zugang zu ihrem Glauben. Hier gibt es eine große Lücke, die gerade von salafistischen Moscheegemeinden ausgenutzt wird. Es reicht nicht aus, das salafistische Angebot zu kritisieren, wir brauchen Alternativen dazu. Ein guter islamischer Religionsunterricht an den Schulen wäre eine sinnvolle Lösung. Auch die Ausbildung von Religionslehrern und Imamen an staatlichen Universitäten ist notwendig. Der Laizismus Frankreichs erschwert jedoch solche Schritte.

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden der Hinrichtungen hatte der Zentralrat der Muslime in Deutschland die Taten verurteilt und sich von Gewalt im Namen der Religion distanziert. Reicht das? Zum Zentralrat wie auch dem Koordinierungsrat der Muslime gab es in der Vergangenheit ein gespanntes Verhältnis, weil Sie u.a. mit Ihrem Buch Islam ist Barmherzigkeit besonders deutlich für ein liberales und aufgeklärtes Glaubensverständnis eingetreten sind. Nehmen die KRM-Verbände ihre Verantwortung gegenüber radikalen Strömungen ausreichend war?

Ich würde mir sehr wünschen, dass dieselben Institutionen, die sich die große Mühe gemacht haben, ein 80-seitiges Gutachten zu schreiben, in dem sie mir mein Bekenntnis zum Islam absprechen wollen wegen ein Buches, das nichts anderes leistet, als den barmherzigen Islam darzulegen, mit ähnlicher Kraft gegen den Missbrauch des Islam für Gewalt und Terror vorgehen und eine Art Manifest verfassen, in dem sie auf die theologischen Argumente der Extremisten eingehen und diese theologisch entschärfen. Wegen einer Theologie der Barmherzigkeit, die ich betreibe, ist noch niemand gestorben oder in Gefahr geraten, aber wegen der salafistischen Ideologie schon. Man muss die richtigen Fronten erkennen.

Der israelisch-arabische Psychologe Ahmad Mansour meint, es gibt bei der Mehrheit der Muslime keine Antwort auf den Radikalismus.

Die Mehrheit der Muslime lebt zwar friedlich, besitzt aber nicht die theologische Expertise gegen den Extremismus. Es reicht nicht zu sagen, das alles habe nichts mit dem Islam zu tun. Denn es gibt theologische Positionen innerhalb der islamischen Theologie, von denen wir uns heute endgültig verabschieden müssen. Diese Aufgabe müssen vor allem muslimische Theologen leisten.

Welche Rolle spielt bei all den Entwicklungen die islamische Theologie, die in Deutschland noch im Entstehen begriffen ist?

Die islamische Theologie in Deutschland bietet einen reflektierten Zugang zum Islam, um genau die richtigen Fragen zu stellen und nach den richtigen Antworten zu suchen. Vor allem geht es um die Frage nach dem heutigen Umgang mit Stellen im Koran und innerhalb der islamischen Tradition, die Gewalt ansprechen. Die historische Kontextualisierung ist hierbei unausweichlich. Historisch-kritische Methoden sind Teil des theologisch-akademischen Diskurses. Jugendliche Muslime brauchen diesen reflektierten Zugang zum Glauben. Vorbilder können dabei aber nicht nur Theologen sein, sondern alle Personen muslimischen Glaubens, die es geschafft haben, sich konstruktiv mit ihrem Glauben in die Gesellschaft einzubringen. Das könnten auch Sportler, Fernsehmoderatoren oder Ärzte usw. sein.

Und international betrachtet? Welche Rolle spielt dabei die Situation in der arabischen Welt?

Der ehemalige persönliche Berater des Großscheichs der Azhar-Universität, einer der anerkanntesten theologischen Institutionen der islamischen Welt, sagte uns bei der Eröffnung unseres Zentrums im Jahre 2011, dass Impulse für die islamische Theologie eher aus Europa zu erwarten sind, da wir hier die Freiheit besitzen, auch die akademische Freiheit, den Islam zu reflektieren. In der arabischen Welt wird Religion noch sehr stark von diktatorischen Regimen und Islamisten instrumentalisiert, um politische Ansprüche zu legitimieren. Wir hoffen, dass wir positive Impulse in die islamische Welt entsenden können. Wir verhandeln gerade mit Nigeria, dessen Wissenschaftsministerium an uns herangetreten ist, Imame für sie auszubilden.

Wird in Deutschland ein Islamverständnis entwickelt, das auch über Deutschland hinaus Ausstrahlung entwickeln soll? Ist das überhaupt möglich oder würde jedes so gewachsene Islamverständnis als „westlich“ gebrandmarkt und abgelehnt werden?

In Deutschland ist der Islam mit Fragen und Anfragen konfrontiert, mit denen er in dieser Intensität nicht in der islamischen Welt konfrontiert ist. Wir haben hier also die Möglichkeit, weitere Zugänge zum Islam auszuarbeiten. Theologien brauchen immer die Herausforderung, um aus sich herauszugehen und Neues zu entfalten. Es wird immer Strömungen geben, die alles, was vom „Westen“ kommt, verdächtig finden und deshalb ablehnen. Aber gerade diese Strömungen werden immer schwächer, da deren Argumente lediglich emotional und nicht sachlich sind. Der Extremismus hat uns eigentlich geeint. Länder wie Saudi-Arabien, die sehr konservativ sind, leiden heute genauso unter dem sogenannten Islamischen Staat und suchen nach Strategien, die friedlichen Potentiale im Islam in den Vordergrund zu stellen.

Kann es eine neue islamische Theologie allein schaffen, die existierenden Probleme zu lösen?

Schaut man sich unsere Probleme an, dann stellt man schnell fest, dass es sich hierbei um ein Geflecht handelt. Soziale, politische, nationale usw. Herausforderungen brauchen entsprechende soziale und politische Maßnahmen. Die Theologie spielt nur eine kleine Rolle dabei. Unsere stark leistungsorientierten Gesellschaften müssen ihre Werte dringend überdenken. Unsere europäische Außenpolitik, gerade im Nahen Osten, ist alles andere als vorbildlich. Unser Wirtschaftssystem erzeugt nicht nur Umweltkatastrophen, sondern auch menschliche Tragödien. Gerade Religionen können uns heute an wichtige spirituelle und ethische Werte – Nächstenliebe, Familie, soziale Verantwortung usw. – erinnern, die immer stärker in Vergessenheit geraten.

Setzt sich „der Westen“ allgemein zu wenig mit der orientalischen Welt auseinander? Oder eher falsch?

Beide setzen sich kaum mit dem jeweils anderen auseinander. Und so reden wir sehr oft aneinander vorbei. Die Bilder auf beiden Seiten stimmen meist nicht mit der Realität überein. Der eurozentrische Blick auf die Welt erwartet, dass sich die Welt an Europa orientiert. Und so gehen bereichernde Elemente in anderen Kulturen verloren. Man darf sich mit dem „Anderen“ nicht als Objekt, sondern als Subjekt auseinandersetzen. Der Orient z.B. entwickelt sich immer mehr zu einer Konsumgesellschaft, die unsere Gesellschaft voranbringt. Dabei sind wir bereit, auf humane Werte zu verzichten, wenn es um unsere wirtschaftlichen Interessen geht. Deshalb haben wir kein Problem damit, diktatorische Regime, wie Saudi-Arabien oder ehemals Qaddafis und Mubaraks Regime zu unterstützen, solange es für uns von Vorteil ist. Wir brauchen dringend eine Wertedebatte.

Auch in Deutschland gibt es eine erhebliche Anzahl von Menschen, die den islamischen Glauben grundsätzlich ablehnen. In dieser Gruppe vereinen sich bekennende Atheisten, Christen und konfessionsfreie Menschen mit schlicht fremdenfeindlichen Haltungen. Durch die Attentate in Paris sehen sich diese in ihren Haltungen bestärkt. Wie begegnen Sie dieser Tatsache?

Ich nehme die Argumente dieser Menschen ernst. Denn ich unterstelle niemandem, dass er den Islam bzw. die Muslime aus Gehässigkeit ablehnt, sondern eher wegen der Assoziation des Islam mit negativen Bildern in den Medien. Man muss auf die Menschen zugehen, sich ihre Ängste anhören und auf sie eingehen. Wie Studien zeigen, sind Ängste eher da, wo kaum Kommunikation vorhanden ist. Die Lösung liegt darin, Räume der Begegnung stärker zu öffnen. Religiöse und nichtreligiöse Menschen müssen zugleich mitansehen, wie Menschen mit atheistischen, christlichen oder anderen Bekenntnissen in Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit von Verfolgung, Freiheitsentzug oder sogar tödlicher Gewalt werden.

Nehmen die KRM-Verbände, deren Mitglieder ja Verbindungen in viele Länder haben, ihre Verantwortung ausreichend wahr?

Das müsste man sie selbst fragen. Mir ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Extremismus im Namen des Islam auch nicht vor Muslimen Halt macht. Bis heute sind zum Beispiel viel mehr Muslime als Nichtmuslime durch den Terror des Islamischen Staates im Irak gestorben. Unsere Aufgabe hier in Deutschland ist es, die jungen Muslime aufzuklären, damit sie keine leichte Beute für die Rekrutierung in salafistische Milieus werden. In den Moscheegemeinden müssen immer mehr Imame in deutscher Sprache predigen, die die Lebenswirklichkeit der jungen Muslime kennen. Eine weltoffene und am Menschen orientierte Theologie ist hier unentbehrlich.

Wir hören neben den Atheisten in Deutschland auch die Stimmen und das Entsetzen der Alevitischen Gemeinde in Deutschland, deren Angehörige in dem EU-nächsten Land, der Türkei, unterdrückt werden. Ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nur einfach ein konservativer Vertreter des islamischen Glaubens oder würden Sie sagen, er missbraucht seine Religion?

Wenn ich Ihre Frage richtig verstehe, fragen Sie mich nach dem Islam in der Türkei. Ich will die Frage etwas allgemeiner beantworten. Die islamische Welt leidet seit dem 7. Jahrhundert, als die Umayyadische Dynastie das Kalifat mit Gewalt an sich gerissen hat, unter der Instrumentalisierung des Islam für politische Zwecke. Und dies hat sich bis heute nicht grundsätzlich verändert. Umso wichtiger ist es heute, den Islam vor diesem Missbrauch zu schützen. Die Säkularisierung ist dabei ein sinnvoller Weg. Es ist ein Missverständnis zu glauben, dass primär die muslimischen Gelehrten gegen die Säkularisierung sind. Das sind eher die Machthaber. Und daher besitzt jedes islamische Land eine Art Religionsministerium, das die Vorgaben macht. Auch die Türkei besitzt so eine Institution.

Eine der lautesten und prominentesten Stimmen hierzulande ist derzeit der deutsch-ägyptische Politologe und Buchautor Hamed Abdel-Samad. Am bekanntesten ist er mit dem Buch Der islamische Faschismus geworden. Wegen des Buches wurde eine Todes-Fatwa über ihn verhängt. Haben Sie das Buch gelesen – und falls ja, was haben Sie daraus mitgenommen?

Ich kenne das Buch und auch Herrn Abdel-Samad. Er kritisiert zu Recht eine bestimmte Lesart des Islam, die ihn stark instrumentalisiert. Ich bin nur gegen Pauschalierungen. Herr Abdel-Samad betreibt eine Art Religionskritik. Es ist keine Frage, eine solche Kritik provoziert religiöse Menschen, aber auf der anderen Seite brauchen Religionen diese Kritik, um die eigenen Argumente und Positionen ständig zu überprüfen. Todesdrohungen oder persönliche Angriffe sind nur die Antwort derer, die keine Gegenargumente finden, und so ein Zeichen der Schwäche. Wer seiner Sache sicher ist, scheut nicht die Konfrontation. Abdel-Samad kritisiert den politischen Islam, der lediglich eine politische Agenda hat. Er bietet keine theologisch begründeten Alternativen an. Aber diese Arbeit können auch andere leisten.

Wie steht es eigentlich um die Zusammenarbeit und Solidarität unter den liberalen muslimischen Kräften?

Sie ist nicht zufriedenstellend. Es fehlt der institutionelle Rahmen für solche Denker. Dazu muss ich kritisch anmerken, dass ich nur wenige wirklich intellektuelle Liberale in Deutschland sehe. Denn die Arbeit muss sehr solide und gut begründet sein. Man kann nichts authentisch verändern, wenn man es nicht aus der eigenen Tradition heraus betreibt. Man muss an aufgeklärte Ansätze in der Tradition anknüpfen und diese fortsetzen. Es reicht nicht, dass jemand Alkohol trinkt, um als liberal eingestuft zu werden, oder dass eine muslimische Frau gegen das Kopftuch ist, um als liberal zu gelten. Was wir dringend benötigen, ist eine intellektuelle und gut begründete Reflexion des Islam jenseits von Eitelkeiten und Geltungssucht.

Ich persönlich glaube, dass es islamkritischen Menschen in Deutschland hin und wieder an Souveränität und Weitblick fehlt. Denn nicht nur muslimische Gläubige hierzulande müssen sich – so ungerecht wie das mitunter ist – die Taten und Worte ihrer Glaubensgeschwister in anderen Ländern zurechnen lassen. Atheisten und Christen in arabischen Ländern geht es vermutlich ähnlich, wenn dort aus Europa berichtet wird. Ich will die Situationen in den „westlichen“ und den „muslimischen“ Ländern nicht gleichsetzen, doch hier gibt es wohl auch eine Art Teufelskreis. Wie kann man dem entkommen oder sehen wir die Gesellschaften da zum jahrzehntelangen Kampf gegeneinander verurteilt?

Das größte muslimische Land ist Indonesien. Von dort hören wir kaum Negatives. Anspannungen und Kämpfe gibt es vor allem im Nahen Osten, also dort, wo wirtschaftliche Interessen existieren. Die Lösung liegt meines Erachtens in der Wertefrage. Welche Werte haben mehr Priorität für uns? Und auf welche Werte sind wir bereit zu verzichten, um welchen anderen den Vorrang zu geben? Es geht nicht um einen Kampf der Kulturen, sondern der Werte. Bis jetzt haben opportunistische und Leistungswerte gewonnen. Wir benötigen heute eine humanistische Revolution, die sich keineswegs gegen Religionen richtet, sondern sich für den Menschen ausspricht. Auch ein religiöser Humanismus ist heute notwendig geworden. Wir haben den Menschen als solchen längst aus den Augen verloren.

Und wie kann es den humanistisch geprägten Musliminnen und Muslimen in Deutschland gelingen, nicht zwischen den extremen Realitäten aufgerieben zu werden?

Sie müssen stark bleiben. Denn sie glauben an den Menschen. Sie glauben an einen Gott, der an den Menschen glaubt. Dieser Glaube ist eine Quelle von Kraft, Hoffnung und Geduld. Niemand kann alleine die Welt verändern. Die Welt wird sich aber auch nie verändern, wenn nicht jeder seinen Beitrag leistet, egal wie bescheiden dieser sein mag.

Herr Professor Khorchide, vielen Dank für das Interview.

Mitarbeit: Thomas Hummitzsch